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2023/10/31

Steintal & Ofentalhörnl (SW-Gipfel, 2.480m.)

Zu den meisten Berggipfeln der Alpen führen gut sichtbare und markierte Zustiegswege. Dadurch wird das Risiko kleiner in gefährliches Gelände zu gelangen, sich zu verlaufen oder gar abzustürzen.
Um Orientierung und Eigenverantwortung zu trainieren, macht es manchmal trotzdem Sinn, in unmarkiertem Gelände zu gehen. Der Aufstieg zum Ofentalhörnl durch das Steintal, bei Ramsau, bietet eine schöne Gelegenheit, bei moderater Schwierigkeit und geringem Risiko.

Den Anfang des Weges kannte ich bereits sehr gut, denn es geht ab Ramsau (Hintersee) zunächst über das Klaustal zum Wanderweg in Richtung Ofental / Hochkalter. Dieser Teil ist der offizielle Wanderweg und gut markiert. Meist wird er bei der Hochkalter-Überschreitung im Abstieg verwendet.
Auf einer Höhe von ungefähr 1.300 Metern erreicht man, den schwach ausgeprägten Forstberganstieg, welchen man nun nach rechts folgt. Nach nicht allzulanger Zeit, zweigt ein undeutlicher Pfad nach links, ins untere Steintal ab.  


Gipfelgrat (Ofentalschneid) und Blick zum SW-Gipfel

Mir ist es nicht immer sofort gelungen, genau auf dem Weg zu bleiben. Am Ende der Latschenzone verliert er sich endgültig und ich habe einfach den logichsten Weg gewählt. Im Grunde genommen geht es über ein paar Stufen immer höher ins obere Steintal. Und von dort gerade auf die Steintalscharte zu, links Ofentalschneid, recht Steintalschneid. Die ganze Zeit mühevoll im Geröll. Manchmal musste ich die Hände benutzen. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob ich die ganze Zeit auf der optimalen Linie unterwegs war. Zwei oder dreimal habe ich Steinmännlein gesehen. Häufiger selbst welche errichtet, um mir den Rückweg zu markieren.


Rückblick im unteren Steintal

Das es im Steintal weder Weg noch Markierung gibt, ist vermutlich eine bewußte Entscheidung der Nationalpark-Verwaltung. Durch die Abgelegenheit ist hier ein Brutgebiet seltener Steinadler entstanden. Es gibt im Klaustal eine touristische Beobachtungsstation. Eigentlich niemand macht sich zu Fuß auf den Weg in das abgelegene Tal. Untersagt ist der Zutritt jedoch nicht. Es gelten natürlich alle Regeln des Nationalparkes.

 

Route ab Hintersee zum Ofentalhörnl

Wenn man meinen Aufstiegsweg in groß betrachtet, kann man sehen dass ich das Tal nicht bis zur Steintalscharte aufgestiegen bin. Ich schätze, 400 Meter vor der Scharte bin ich links in den Ofentalschneid eingestiegen. Meiner Meinung nach spielte es da keine Rolle mehr, wo genau man aufklettert. Das Gelände dort ist leichte Kletterei im 1. Grad und etwas brüchigen Gestein, zuweilen mit Schrofen durchsetzt. Ich bin natürlich nicht direkt am Gipfel rausgekommen, sondern musste noch ein wenig den gutmütigen Grat entlang. 


Ofentalschneid

Auf der Seite gegenüber schien gerade eine Gruppe den Hochkalter-Gipfel erreicht zu haben. Eine andere war im Abstieg in Richtung Ofentalscharte unterwegs, und noch ein paar Leute bereits im Tal. Alle weit weg.
Der Blick ins Ofental hinab ist etwas verwegen. Trotzdem gibt es auch durch diese steile Nordwestwand eine durchgehende Kletter-Route, sowohl zum SW-Gipfel als auch zum etwas höheren NO-Gipfel. (2.513m.) Der Übergang zwischen den beiden Gipfeln ist ausgesetzt und schwierig (3. Grad). Er wird wohl normalerweise vom NO- zum SW-Gipfel gemacht. Es sah nicht so aus als gäbe es Markierungen und Haken. Allerdings konnte ich vom Grat eigentlich nichts einsehen und hatte mich auch vorher nicht informiert wo es lang gehen könnte. Auf jeden Fall kann man nicht direkt gehen, sondern muss in der oberen Norwestwand queren. Das Gestein machte einen brüchigen Eindruck. 

Blick ins Ofental

Auf dem SW-Gipfel angekommen, konnte ich dann gut die Steintalscharte einsehen. Der Aufstieg von dort wäre wahrscheinlich noch leichter gewesen, als der Weg den ich geklettert bin. Da ich meine Trecking-Stöcke aber am Einstieg meiner Route zurückgelassen hatte, bin ich nicht zur Scharte abgestiegen, sondern genau so runter wie ich gekommen war.
Der Blick über die Steintalscharte war nicht schlecht und geht rüber zu den Gipfeln der Hocheis-Gruppe. 

Gipfelnlick zur Steintalscharte

Der Abstieg vom Gipfel erforderte von mir ein wenig Konzentration, denn ich musste ja genau zu meinen Trekkinstöcken finden. Obwohl es ein halbes Dutzend Möglichkeiten zum Versteigen gegeben hätte, bin ich am Ende bei den Stöcken rausgekommen. Den weiteren Weg habe ich manchmal etwas anders gewählt als im Aufstieg. Gemerkt habe ich das aber erst, als ich den GPS-Track ausgewertet habe. 

Insgesamt habe ich diese Tour länger als notwendig gemacht, indem ich schon am Campingplatz Simonhof in Ramsau (Taubensee) losgegangen bin: 30 Kilometer. Vom Parkplatz an der Nationalpark-Informationsstelle Klausbachtal müssten es insgesamt 10 Kilometer weniger sein. 

Dowload GPS Track


2023/09/15

Hoher Göll (2.522 m.)

Der Hohe Göll, direkt über Berchtesgaden gelegen, ist neben Watzmann und Hochkalter, das dominierende Bergmassiv der Berchtesgadener Alpen. Auf seinen Gipfel führen einige relativ einfache "Normal-Routen" und entsprechend häufig wird er im Sommer bestiegen. 

Zusätzlich existieren in Ost- und Westwand eine Reihe von Kletterrouten ab dem III. und bis zum X. Grad.
Im Winter ist der Göll auch Ziel der Skitourengehern, wobei zum Teil steile Abfahrten nicht ganz ungefährlich sind und Lawinengefahr beachtet werden muss.


Hoher Göll vom Hohen Brett aus fotografiert

Im Internet lassen sich eine Vielzahl von Routenbeschreibungen finden. Darum kann ich mich hier kurz fassen. Nachfolgend die vielleicht drei häufigsten Varianten:

  • Vom Ofnerboden über den Mannlgrat zum Gipfel und über den Schustersteig und Purtschellerhaus hinab. (ca. 14,5 Kilometer) Diese Route entält Klettersteige (A-B) am Mannlgrat und im Schustersteig (Abstieg).
    Mit einer Übernachtung im Kehlsteinhaus (1.834 Meter) kann die Tour verkürzt werden.
  • Vom Carl-von-Stahl-Haus über das Hohe Brett (2.340) zum Hohen Göll.
    Relativ kurze Tour (10,2km) mit Kletterstellen im I.Grad.
  • Aufstieg über das Alpeltal (Parkplatz auf 1.100 Metern). Rückweg über Hohes Brett, Carl-von-Stahl-Haus, Jenner. (meine nachfolgende Beschreibung)


Unteres Alpeltal mit Blick auf Schönau


Der Weg durch das Alpeltal wird häufig im Abstieg verwendet. Er trifft dann auf den selben Parkplatz, den man beispielsweise bei der Nutzung der Jennerbahn (Mittel-Station) nutzen würde. Diese Seilbahn bringt Wanderer auf 1.672 Meter Höhe, von wo man über das Carl-von-Stahl-Haus häufig zum Göll geht.
Wenn man über den Manlgrat kommend in das Alpeltal absteigt, müsste man dort am Parkplatz ein zweites Auto abstellen, will man nicht einen langen Marsch über die Scharitzkehlstraße zum Ausgangspunkt machen.




Ich bin aber das Alpeltal nicht ab-, sondern aufgestiegen. Diese Möglichkeit wird anscheinend nicht sehr häufig in Erwägung gezogen. Jedenfalls beobachtete ich, Sonntags morgens bei bester Wettervorhersage, nur einen einzigen weiteren Wandersmann im Aufstieg.
Absteigend kam noch niemand entgegen, was aber auch an der frühen Tageszeit (Start 5.30 Uhr) gelegen haben könnte. 
Der frühe Start, verbunden mit der westlichen Lage der Route, war an diesem Tag auch ein besonderer Vorteil, da ich praktisch bis zum Erreichen des Grates im Schatten gehen konnte. Danach begann die Sonne zu brennen und mich überfiel häufig das Verlangen von meinen 2 Liter Wasser zu trinken, die ich am Morgen aufgefüllt hatte. An dieser Stelle muss ich unbedingt erwähnen, dass es entlang der kompletten Route keine Wasserstelle gibt. Also besser reichtlich davon mitnehmen.


leichte Kletterstellen im Alpeltal


Die Route durch das Alpeltal ist anspruchsvolles Trekking, mit einigen wenigen, sehr kurzen, unschwierigen Kletterstellen. Man kann sich bei normaler Sicht praktisch nicht verlaufen, denn es existiert eine durchgehende Markierung.
Wie alle Routen in der Gegend könnte man den Aufstieg in drei Teile gliedern. Am Anfang geht es durch schönen Wald, im Mittelteil über felsiges Schrofengelände und im obern Kar, den sogenannten "Umgängen", durch ausgewaschen Fels und etwas wenigen Geröll. Rechterhand der "Große Archenkopf" ( 2.391), links der Hohe Göll. 


Blick vom Kamm auf die "Umgänge"


Mit dem Erreichen des Südkamm ist der Aufstieg allerdings noch nicht ganz zu Ende. Nun wendet man nach links, um die verbleibenden 200 Höhenmeter in Angriff zu nehmen. Auf dem Weg kommt man beim vorgelagertem Kucherlerkreuz vorbei und kann hier und da in die steile Ostwand hinab blicken.
Hier habe ich jetzt immer mal wieder Leute getroffen und auf dem Gipfel war auch ganz schön was los. Die meisten hatten ein Klettersteigset umgebunden und kamen wohl vom Mannlgrat oder Schustersteig.


Gipfel Hoher Göll


Das auch der Aufstieg ab Carl-von Stahl-Haus sehr angesagt ist, davon konnte ich mich beim Rückweg überzeugen. 
Am Anfang gings, wie gekommen, zurück in die Scharte zwischen Göll und Großen Archenkopf. Ich bin dann, auf dem markierten Steig unterhalb des Archenkopf in Richtung "Hohes Brett" gequert. Es scheint aber auch unschwierig direkt über den Grat zu gehen.
Ein paar Kletterstellen kommen erst nach dem Archenkopf. Das Hohe Brett ist dann immerhin auch noch einmal 2.340 Meter hoch. 
Kurz danach wäre dann ein direkter Abstieg zum Auto möglich gewesen. Ich bin aber über Carl-von-Stahl-Haus und dann unterhalb der Jennerbahn runter. So bin ich auf 20 Kilometer gekommen. Dafür war ich 8 Stunden unterwgs und bin 1.625 Meter aufgestiegen....


Großer Archenkopf (2.391)


 
Gipfeltag: 20.08.2023
  

2021/11/05

Überschreitung Schärtenspitzte - Steinberg

Eine schöne Tour in den Berchtesgadener Alpen ist die Überschreitung der Schärtenspitze (2.153m.) über die Eisbodenscharte (2.050m.) Ich ging diese Tour Anfang Oktober, in Kombination mit einer "Rücküberschreitung" über den Steinberg (2.065) Diese Runde ist so in etwa 18 Kilometer lang.



Anfang und Ende war der Parkplatz an der Pfeiffenmacherbrücke in Ramsau. Es geht anfangs über Forststraße, dann Wanderweg und weiter über einen schönen grünen Pfad, bis es keine Vegetation mehr gibt, in Richtung Eisbodenscharte. (markierter Weg)



Das obere Steiglein im Wald wird wohl nicht allzu oft begangen, es ist schmal und dicht bewachsen. Oberhalb der Baumgrenze wird das Gelände steinig und führt unterhalb der Schärtenspitze, gut markiert, auf die Eisbodenscharte zu. 


Eisbodenscharte

Den Einstieg habe ich schnell gefunden. Die Route innerhalb der Wand kann man ebenfalls nicht verfehlen. Sie ist ziemlich steil, steinschlaggefährdet, aber nie schwieriger als 1. Grad. Es gibt ein paar versicherte Stellen. Wenn Leute in der Wand sind, besonders auch im Abstieg, besser mit Helm begehen. 


Blick von der Scharte zur Schärtenspitze

Vom Ausstieg, der Eisbodenscharte, wendet man sich nach rechts und folgt dem langen Grad zum Gipfel der Schärtenspitze. Rechts des Grates geht es steil ninab und es eröffnen sich spektakuläre Weitblicke in Richtung Ramsau und Berchtesgaden. Von der linken Seite trifft der Normalweg aus dem Blaueis-Tal auf das letzte Gratstück. Der Blick geht hinüber zum Rotpalfen und dem ersten Teil der Normalroute zum Hochkalter. 


Gipfelblick zurück Richtung Hochkalter / Mitte: Normalweg Schärtenspitze

Vom Gipfel der Schärtenspitze bin ich den Normalweg zur Ruine der alten Blaueishütte abgestiegen. Von dort den unschwierigen Normalweg auf den Steinberg. Der direkte Übergang Schärtenspitze - Steinberg wäre Kletterei im 4-5 Grad gewesen. Die beiden Normalwege kann man, bei trockenen Verhältnissen, jederzeit zügig und sicher begehen.


Blick vom Steinberg Richtung Hintersee

Damit es eine Runde wird, bin ich den Steinberg auf der anderen Seite, in Richtung Schärtenalm abgestiegen. Man muss ein bisschen genauer gucken, damit man das Steiglein findet und nicht aus den Augen verliert. Von der Schärtenalm führen breite Wanderwege ins Tal, in meinem Fall auch zurück zum Parkplatz Pfeiffenmacherbrücke. 6:15 Stunden war ich unterwegs.

 


2021/08/17

Hochkalter- und Watzmann- Überschreitung

Zwei Klassiger der Berchtesgadener Alpen: ich bin sie Mitte Juli gegangen. Hochkalter: 19. Juli / Watzmann: 21. Juli 2021. Es waren die Tage direkt nach den Überschwemmungen in Ramsau und Schönau. Auch an den Berghängen waren manche Wanderwege weggespült. Allerdings hielten sich die Schäden im Berchtesgadener Land vergleichsweise gering zu Westdeutschland.


Blick zum Hochkalter vom Taubensee

 

Für den Tag der Hochkalter-Überschreitung war ab 10 Uhr starker Regen angekündigt. Also beeilte ich mich, dass ich 4.00 Uhr vom Parkplatz "Zauberwald" fort kam, um vor 6.00 Uhr an der Blaueishütte vorbei zu sein. Dieser Weg ist ein einfacher Wanderweg.
Ab der Hütte geht es, gut markiert, über Blockgestein nach rechts eine markante Schuttrinne hinauf, welche zu einer auffälligen Scharte führt. An deren Ende wird in leichter Kletterei (I-II) zum s.g. "Schönen Fleck" aufgestiegen. Der weitere Weg geht links ab und teils einfach, teils in leichter Block-Kletterei zu einer 15 Meter hohen Felswand (II. Grad). 


Felswand, unterhalb des Rotpalfen

Da der Einstieg und eine Querung in der Wand gut markiert sind, hält dieses Hindernis (bei trockenen Bedingungen) wohl kaum jemand wirklich auf. Ich erlebte das Gestein sehr griffig und die Kletterei als einen Genuss. Der nun folgende Weg ist zunächst leichtes Gelände, wobei der Rotpalfen rechts umgangen und der Kleinkalter überschritten wird. Es gibt immer mal 1er Kletterstellen entlang des Grates, teils ausgesetzt, so dass es nie langweilig wird. 


Weg in Richtung Kleinkalter

Vom Gratweg zwischen Rotpalfen und Kleinkalter öffnen sich auch einige spektakuläre Blicke hinab zum Blaueis-Gletscher, dem nördlichsten Gletscher (bzw. Gletscher-Rest) der Alpen. Anfang Juni bin ich dort noch im Schnee aufgestiegen; inzwischen ist der Normalweg wohl etwas sicherer. Eiskletterer in Seilschaft können den Blaueis-Gletscher (40-55°) aber ganzjährig klettern. Wer weiß wie langen noch. Er verliert jedes Jahr an Fläche.


Blaueisgletscher, Blick vom Kleinkalter

Nach dem Kleinkalter geht es in die Kleinkalter-Scharte hinab und von dort in ausgesetzter Kletterei (zum Schluss II. Grad) hinauf zum Gipfel des Hochkalter.
Das Schöne am Hochkalter ist es, dass nirgendwo Drahtseile oder Tritte verlegt sind. Dafür gibt es festen Fels und für den Notfall hin und wieder mal einen Bohrhaken in der Wand. (was freilich nicht zur Beruhigung beiträgt, wenn man seilfrei unterwegs ist...)
Den Gipfel markiert, neben einem Holzkreuz, auch eine aufgesetzte Eisenplatte.
Ich erreichte den höchsten Punkt, gut im Zeitplan, etwas vor 8.00 Uhr. Es zogen Wolken vorbei, aber nach Regen sah es noch nicht aus. Weit und breit waren keine anderen Bergsteiger im Anmarsch.


Gipfel Hochkalter

Ich habe auf dem Gipfel die einzige Rast des Tages eingelegt. Hätte es Sicht gehabt, hätte ich noch schöne Fotos vom Watzmann machen können, oder ins Tal hinab zum Hintersee. So genoss ich einfach die Stille und den Wind auf der Haut. (Aufstieg im T-Shirt..!) 

 

Gipfelblick zurück zum Kleinkalter

Beim Abstieg ins Ofental habe ich mich tatsächlich kurz verlaufen. In einer dicken Wolke gehüllt, war im falschen Moment zu wenig Sicht, um die ansonsten dicht gesetzten Markierungen zu sehen. Der Versuchung nachgebend, dem eingeschlagenen Weg durch die Ausstiegsrinne immer weiter zu folgen, befand ich mich bald in gefährlichem Geländer und musste wieder aufsteigen. 
Der richtige Weg führt, etwas unterhalb des Gipfels, in einer Links-Querung aus der Rinne heraus, in Richtung Ofental-Scharte. Das ist eine wichtige Information. Im Nachhinein habe ich von einigen Rettungseinsätzen der Ramsauer Bergrettung gehört, die Leute aus dem dortigen Steilgelände ausfliegen mussten. (der letzte Einsatz, vor einer Woche)
Nach der Scharte führt der Weg recht klar, jedoch trotzdem steil und rutschig ins Tal hinab. Durch das lange Ofental geht man zurück zur Vegetationszone, durch den Wald und zum Schluss durch das schöne Klausbachtal zum morgendlichen Ausgangspunkt.

Inklusive Verlaufer war ich 23 Kilometer unterwegs, mit etwa 1.800 Meter Höhenunterschied. Geregnet hatte es erst auf den letzten Metern.
Um es vorweg zu nehmen: aufgrund der Einsamkeit und Naturbelassenheit des Hochkalter-Massives, fand ich diese Überschreitung etwas reizvoller als die  Watzmann-Überschreitung zwei Tage später.

Für den Tag der Watzmann-Überschreitung war perfektes Wetter vorhergesagt. Ich hatte mir die längste Variante (24km), mit Ausgans- und Endpunkt am Parkplatz Wimbachbrücke in Ramsau (623m) vorgenommen.
Als ich um 4.00 Uhr am Parkplatz eintraf, standen dort bereits reichlich Autos rum. Das verwundert aber nicht, denn schließlich liegt das Watzmannhaus (1.930m.) auf dem Weg, eine Möglichkeit zur Übernachtung und für eine kurze Besteigung.
Gleichzeitig mit mir sind noch andere Autos an der Wimbachbrücke angekommen. Mit einem Bergsteiger teilte ich mir das erste Wegstück, bei sehr netter Unterhaltung. Trotzdem trennten wir uns  beim ersten Licht. Mit angemessenem Respekt vor der Aufgabe, wollte Markus den langen Weg in genau seinem individuellem Tempo gehen. Genau wie ich.


Blick im Aufstieg zur Mittelspitze (2.713)

Am Watzmannhaus angekommen, konnte ich einige Gruppen bereits im Aufstieg zum ersten Gipfel, dem Hocheck (2.651) beobachten. Die Etappe Watzmannhaus - Hocheck ist zwar immer noch leichtes Gelände, beinhaltet nun aber erste Kletterstellen. Da man hier noch überholen kann, habe ich das auch getan, um am Grat nicht in einen Stau zu geraten.
Am Hocheck angekommen, traf ich dann noch auf zwei größere Gruppe und sah in der Ferne zwei Solo-Bergsteiger sich bereits im Grat befindend. Am Hocheck gibt es eine Biwakschachtel und eine Bank. Der Platz eignet sich zum Frühstück und zum Anlegen von Klettergurt und Klettersteigset. Letztere Ausrüstung hatte ich mir extra zugelegt, da man mir gesagt hatte, es sei am Watzmann so üblich. Ich war dann auch ganz froh, dass ich es dabei hatte, unbedingt notwendig ist es vielleicht nicht.

Generell ist der Watzmann-Grat kein Klettersteig. Es gibt jedoch an ausgesetzten Stellen oft Versicherungen mit Drahtseilen. Bis zur Mittelspitze etwas mehr, danach weniger. Die Ramsauer Bergwacht hat im Jahr 2019 sogar Seile wieder abgebaut, um die Begehung für Ungeübte zu erschweren und so den Andrang am Watzmann zu verringern; gleichzeitig aber noch Sicherheit an den üblichen Absturzstellen zu erhalten. Trotzdem muss die Bergrettung, während der Saison noch fast täglich ausrücken, um Leute vom Berg zu holen. Immer wieder passieren auch tödliche Unfälle, zum großen Teil allerdings in der Ostwand.


Bergsteiger im Abstieg Mittelspitze

Noch vor der ersten Gruppe bin ich in den Grat eingestiegen und achtete darauf, immer einen konstanten Abstand (ca. 100 Meter) zu meinem Vordermann, sowie zu den zwei folgenden Gruppen zu erhalten. Es sind auf dem Grat kaum noch Höhenmeter zu machen, es mangelt aber nicht an ausgesetzten Kletterstellen im I. und II. Grad. Das Gestein ist griffig und fest. Kaum Steinschlaggefahr, ein Helm ist natürlich trotzdem Pflicht. 
Da ich nun in der ersten Gruppe des Tages kletterte, habe ich nichts vom großen Andrang merken können, den der Watzmann bei schönem Wetter angeblich auslöst. Ich war etwas vor 8.00 Uhr am höchsten Punkt. Vielleicht ist das ein guter Anhaltspunkt zur Tourenplanung. Ich denke, dass es später am Grat voll werden könnte.


Watzmann Südspitze (2.712)

Der Watzmann-Grat ist insgesamt fast 4,5 Kilometer lang. Wahrscheinlich ist diese Länge, während der man die ganze Zeit konzentriert bleiben muss, die größte Herausforderung der Überschreitung. Der Weg wird zwischen Mittel- und Südspitze etwas schwieriger als das Stück davor. Ich habe die Kletterei, obwohl ich kein guter Felskletterer bin, eher als anregend, denn als schwierig erlebt. Bei instabilen Wetter würde ich die Tour dennoch wohl nicht machen und empfehlen.


Blick zurück von der Südspitze (2.712)

 

Mit dem Erreichen der Südspitze ist die Watzmann-Überschreitung noch nicht beendet. Der Abstieg ins Tal des "Wimbachgries" ist zwar kaum noch absturzgefährdet, dennoch steil und recht lang. Sicherheitsabstand, wegen Steinschlaggefahr ist hier wichtig. Bei meiner Tour, war von den vorangegangenen Regenfällen, auch die Abstiegsspur ausgewaschen, was aufgrund bester Sicht aber kein Problem darstellte. Bei schlechtem Wetter sollen sich dort aber schon Wanderer verstiegen haben.


Abstiegsroute zum Wimbachgries


Weiter unten gibt es eine schöne Wasserstelle, an der ich meine Flasche wieder auffüllte. Es folgten noch ein paar rutschige Stellen, dann war das eigentliche Wimbachgries erreicht. Von dort, auf guten Wanderwegen zurück nach Ramsau. Wer Durst hat, kann auf der Wimbachgrieshütte ein Bier trinken.

Für mich, der ich vom Ausdauersport komme, war diese Tour ein perfektes Training in einem sportlichen Sinne. Immerhin 24 Kilometer und über 2.000 Aufstiegsmeter. Ich profitierte von perfektem Wetter und konnte konzentriert durchziehen. Die Sicherungen im Grat machen eine Solo-Besteigung, im extrem ausgesetzten Gelände, natürlich erst möglich. Gleichzeitig unterfordern sie Eigenverantwortung, Selbsteinschätzung und Routensinn.