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2023/02/19

Acotango (Chile, 6.052 m.)

Hier ein paar Hinweise und Fotos für eine Besteigung des Nevado Acotango, an der chilenisch, bolivianischen Grenze. 
Er ist ein leichter 6.000er Vulkan, ohne technische Anforderungen, der jedoch sicheres Gehen mit Steigeisen und eine sehr gute Kondition erfordert.
Wir waren im November 2022 da. Die besten Monate dürfte Juni, Juli und August sein. Danach bildet sich das gefürchtete Penitentis (Büsereis). Zwischen Januar und Mai ist hingegen mit Schneefällen und der damit verbundenen Spurarbeit zu rechnen. 

Acotango (rechts) bei der Anreise von Chile

Ich hatte den Acotango erstmalig vor Jahren von bolivianischer Seite erblickt. Dort grenzt die Berggruppe der Quimsachatas, zu welcher der Acotango gehört, an den Sajama-Nationalpark.
Diesmal war ich mit Freunden im chilenischen Lauca-Nationalpark unterwegs. Die Besteigung des 6.000ers war ein Höhepunkt unserer kurzen Altiplano-Tour. 
Das Basislager auf chilenischer Seite (mit Allrad-Fahrzeug erreichbar) befindet sich auf 5.040 Metern Höhe. (18.3922694S, 69.0853794W) 


Basislager, im Hintergrund Vulkane Parinacota & Pomerape, Laguna Chungara

Die Wahl der Aufstiegs-Route über den Süd-Grat war für uns ziemlich eindeutig. Der direktere Weg über die Westflanke hatte zu dieser Zeit viel zu viel Büsereis.
Vom Basislager folgt man zunächst, etwas Höhe verlierend, den auslaufenden Fahrspuren und zielt dann auf den Sattel zwischen Acotango und dem Nachbarberg Capurata (5.990)


Süd-Route Acotango


Im flachen Teil stapft man durch Lavasand und Geröll. Mit dem Erreichen des Grates, auf 5.400 Metern, beginnen die Büserschneefelder. Wir sind so lange wie möglich direkt auf dem Grat geblieben, da es dort im ersten Teil noch schneefrei war. Weiter oben wählten wir in Zick-Zack-Bögen einen Weg durch den Eis-Panzer.  


Acotango Süd-Route

Ein Vorteil der Besteigung im (Süd-) Fühling (Monate Oktober - November) könnte im Klima liegen. Anders als bei meinen Besuchen im Winter (zwischen Juni und September) gab es diesmal viel weniger Wind. Die Nächte waren natürlich trotzdem kalt, aber keineswegs extrem kalt.
Als Ausrüstung am Gipfeltag wählt man am Besten Daunenjacke + Gore Tex (zum an und ausziehen, je nach Wind), windfeste Treckinghose + lange Unterhose, idealerweise Bergstiefel mit Innenschuh. Steigeisen für den Gletscher + Trecking-Stöcke. (Eispickel nicht notwendig) Daunenhandschuhe.
Zum Schlafen im Zelt trotzdem einen gute Daunen-Schlafsack (extrem bis -30 Grad)


Aufstieg über den Südgrat

Vom Basislager auf chilenischer Seite bis zum Gipfel, benötigten wir 7 Stunden. Für den Abstieg noch einmal 3,5 Stunden. Insgesamt (Auf- und Abstieg) habe ich eine Distanz von 12,4 Kilomtern gemessen. 

Vom Gipfel blickt man genial hinüber zu Parinacota, Pomerape und der Laguna Chungara. Auf bolivianischer Seite erblickt man in der Ferne deren höchsten Berg Sajama




Gipfeltag: 04.11.2022

2018/12/14

Valle de las Arenas / Cerro Unión ( 3.658)

Tief im Cajon del Maipo (2,5 Stunden, südöstlich von Santiago de Chile) erreicht man, inzwischen auf Asphaltstraße, die Orte El Volcán und Banos de Morales. Noch etwas weiter, auf Schotterpiste, Mienenzufahrt), nähert man dem Valle de las Arenas an. Von einem Parkplatz / Camping-Platz, kann man eine Wanderung zur Laguna Congelada (3.250) und dem Cerro Morado (3.658) unternehmen.



Bei unserem Besuch, Anfang November, waren die höheren Lagen um die Laguna Congelada, noch tief verschneit. Wir zelteten 3 Nächte im Tal (2.550) und machten an den Tagen ein paar Exkursionen in die Schneelandschaft, u.a. bestiegen wir den Cerro Union, oberhalb der Laguna Morado.




Zum Teil hatten wir sehr schlechtes Wetter. Wenn es oben in den Bergen schneite, war es unten am Zelt oft ein nasser Schneeregen. Auch für das Valle de las Arenas ist der frühe November noch zu zeitig. In den Sommermonaten (Dezember bis März) ist dieser Ort aber sonnig und warm und wird zu einem beliebten Ziel für Kletterer.


Laguna Congelada, vor Cerro Morado 

Der interessanteste Berg hier ist der Cerro Morado (4.647) welcher sich oberhalb der Laguna Congelada erhebt. Im Sommer kann man dort einen schönen Mix aus Eis- und Felskletterei probieren. Vergebens wird man nach einfachen Routen suchen.
Der Gipfel des gegenüberliegenden Cerro Unión (3.658) bietet einen guten Blick zum Morado. Den technisch einfachen Nachbarn bestiegen wir, etwas mühevoll im Tiefschnee. Auf dem Gipfel wurden wir mit blauem Himmel belohnt. 



Gipfelblick vom Cerro Unión hinüber zum Cerro Morado



  • Karte: Travel & Trekking Map Cajón del Maipo, 1:50.000
    Fundación Trekkingchile, www.trekkingchile.com/de/
    ISBN: 978-956-8925-19-2
  • Literatur: Ann Bräuning, "25 Wanderungen rund um Santiago de Chile"
    ISBN: 978-956-332-318-4

2018/11/29

Cerro Manchòn (3.720)

Nun zum zweiten Mal besuchten wir, den in der Nähe von Santiago de Chile gelegen Nationalpark Yerba Loca. Dieses Naturreservat zieht sich von 1.900 bis auf etwa 3.000 Metern Höhe entlang des Yerba Loca Flusses. Die Höhe ist ideal zur Akklimatisation.
Wir waren zwischen dem 23. und 26. Oktober dort und hatten ursprünglich zwei Lager (Villa Paulina, 1.950 / La Lata, 2.800) geplant. Wegen des langen Winters hat das leider nicht gepasst: der Weg ab Villa Paulina flussaufwärts, war noch wegen Steinschlaggefahr gesperrt. Immer wieder rollten abtauende Felsbrocken die Berge hinab auf den ganz unten verlaufenden Wanderweg. Beim Parkeingang musste ich eine Erklärung unterschreiben, dass wir diesen Weg meiden werden. Wohl war es aber möglich, ab Villa Paulina auf ein paar Berge zu steigen.


Yerba Loca (Villa Paulina) mit Blick zum Cerro Manchòn

So machten wir am zweiten Tag eine Wanderung zum Refugio Aleman, in der Nähe von Farellones. Diesen Ort kannten wir schon, nicht aber den Weg ab Villa Paulina. Er führt u.a. an einem Condor-Horst vorbei. Man kann sich bis auf etwa 100 Meter annähern und den imposanten Greifvögel sehr nahe sein. Immer wieder sieht man Condore auch hoch am Himmel kreisen. Es gab in den letzten Jahren in Chile ein sehr erfolgreiches Wiederansiedlungs-Programm, nachdem die Vögel fast ausgestorben waren.
Der Weg zum Refugio Aleman ist gut markiert, leicht begehbar und der Höhenunterschied von 530 Metern, zunächst ausreichend.


Grat am Cerro Manchòn (etwa 3.200 Meter)

Mehr Höhendifferenz (1.770 Meter) gönnten wir uns am nächsten Tag, bei der Besteigung des Cerro Manchòn. Auf einer Karte, die wir am Parkeingang bekommen hatten, war der Weg eingezeichnet. Er führt von Willa Paulina (Brücke am Anfang) auf der anderen Fluss-Seite, zunächst zu einem Aussichtspunkt und dann weiter zu einer Bachquerung. Kurz danach wendet man sich nach links und sucht einen Aufstieg, den breiten Bergrücken hinauf. Im unteren Abschnitt gibt es keinen richtigen Weg. Wenn man aufmerksam steigt, kann man jedoch Spuren erkennen.


Gipfelgrat (etwa 3.400 Meter)

Etwa bei 2.950 Metern, der erste Vorgipfel ist erklommen, wendet der Weg sich nach rechts zum recht langen Gipfelgrat. Hier ist der Weg nun besser sichtbar. Allerdings konnten wir ihn, aufgrund von Schnee, nicht immer ganz genau folgen. Manchmal gab es darum eine kleine Felskletterei, an den fünf weiteren Vorgipfeln. Zum Schluss geht es einigermaßen flach eine Schutt-Abhang hinauf. Auf dem Gipfel steht ein kleines Kreuz und liegt ein Gipfelbuch. Der Ausblick imponiert vor allem in Richtung La Paloma Gletscher. Leider hatten wir keine besondere Sicht.


Gipfelblick vom Cerro Manchòn in Richtung La Paloma Gletscher

Die Tour ist nicht ohne! Für die 1.770 Höhenmeter haben wir im Aufstieg immerhin 6,5 Stunden gebracht, 11 Stunden hin und zurück. Es sind insgesamt knapp 16 Kilometer.

2018/11/19

Valle Olivares / Nevado del Plomo (6.070)

Ein schönes Ziel tief in den chilenischen Anden ist der Nevado del Plomo. Die beste Besteigungszeit ist Dezember bis Februar. Wir haben es Ende Oktober versucht und mussten zeitig umkehren. Das Valle Olivares ist aber besonders in dieser Jahreszeit (Frühling) ein lohnendes Trekking-Ziel und wir haben die Zeit sehr genossen.

Leider kann man sich seine Urlaubswochen nicht immer aussuchen. In der Vergangenheit klappte es oft auch in der Vor- und Nach-Saison. Diesmal waren wir wohl etwas zu weit in die Vor-Saison gerutscht und dazu dauerte der Anden-Winter auch noch länger als normal. Trotzdem brachen wir erst einmal auf.


Valle Olivares

Die beiden erste Trekking-Tage (jeweils 16 Kilometer) ziehen sich recht flach durch das Tal des Rio Olivares, auf einer Höhe von 2.020 bis 2.800 Metern. Da wir Verpflegung für 9 Tage, Zelte und Kletterausrüstung transportieren mussten, hatten wir für die beiden ersten Tage Mulis gemietet. Wenn man die Route geschickt wählt, hat man nur eine Fluss-Querung, am Morgen nach der ersten Nacht im Lager beim Casa de Lata. Wir hatten keine Probleme. Da es in den Bergen noch nicht richtig zu tauen begonnen hatte, führte der Fluss nur wenig Wasser.


Casa de Lata (2.450)

Für die Mulis (und später auch für uns) war dann am Salto de Olivares (Gran Salto) endgültig Schluss. Die Mulis kehrten sofort um, wir versuchten noch eineinhalb Tage eine Route durch den steilen Fels-Anstieg zu finden. Die nächste Etappe hätte etwas mehr als 1.000 Höhenmeter. Der Normalweg, war leider mit rutschigen Schnee bedeckt und vereist. Mit schweren Gepäck nicht begehbar. Wir sind ein paar Alternativen geklettert und haben mit leichtem Gepäck die Wand auch durchsteigen können, dann aber nichts oben gelassen.





Insgesamt war der Zustand nicht so, dass man noch von einer sicheren Route sprechen konnte. Die Wettervorhersage für die möglichen Gipfeltage sah ebenfalls nicht gut aus, mit Sturm zwischen 80 und 120 km/h, oberhalb von 5.000 Metern.
Also packten wir unsere Sachen, bestellten die Mulis vorzeitig und traten den Rückweg an. Zum Glück ist es noch so, dass man nicht auf jeden Berg zu jeder Zeit steigen kann. Mutter Natur hat das letzte Wort. Wir akzeptieren das!


Salto de Olivares (Grand Salto)

Ursprünglicher Zeitplan:
  • Tag 1: Transfer Santiago - Bocatoma (2.020) Trekking Bocatoma - Casa Lata (2.450)
  • Tag 2: Trekking Casa Lata - Salto de Olivares (2.800)
  • Tag 3: Salto Olivares - Campo 1 (3.800)
  • Tag 4: Campo 1 - Campo 2 (4.300)
  • Tag 5: Campo 2 - Campo Alto (5.200)
  • Tag 6: Campo Altos - Gipfel (6.070) - Campo Alto
  • Tag 7: Campo Altos - Salto de Olivares
  • Tag 8: Salto Olivares - Casa Lata
  • Tag 9: Casa Lata - Bocatoma - Transfer Santiago
Oberhalb Salto Olivares reichen auch zwei statt der drei Camps. Man sollte dann aber trotzdem einen Reservetag planen. 



2017/11/05

Video Vulkan Pilli (Acamarachi)

Hier ein kleines Video vom Anfang diesen Jahres. Am 15. Januar bestiegen wir den abgelegenen Vulkan Pilli (6.046) in der chilenischen Atacama-Wüste. Wie die meisten Vulkane der Atacama geht der Aufstieg, zumeist schneefrei, über lange Schotter-Hänge. Am Pilli ist das, wegen dessen Steilheit, eine besondere Quälerei. Dafür entschädigen die Ausblicke und du wunderbar wechselnde Landschaft währen der Annäherung.





2017/03/23

Videos Llullaillaco

Ich habe ein kurzes Video (2:40 Min) unserer Llullaillaco-Besteigung geschnitten. Es setzt etwa auf einer Höhe von 6.300 Meter an und bildet natürlich auch unsere Gipfel-Ankunft ab. Nach Minute 2:20 habe ich einen Blick zur Plattform eingefügt, wo 1999 die drei Inka-Mumien gefunden wurden. Diesen exklusiven Blick haben, in manchen Jahren kein Dutzend Bergsteiger.





Noch mehr Mühe hat sich unser Kamerad Jörg Lenk gemacht und eine 25-minütige Dokumentation, der gesamten Expedition "Auf den Spuren der Inkas" geschnitten. Sie enthält eine Menge interessante Information zur Kultur der Inkas und deren Rituale in den Bergen vor über 500 Jahren.





Bei einigen von Jörgs Aufnahmen kam eine Flug-Drohne zum Einsatz. Auch auf dem Gipfel des Llullaillaco. Zum Aufnahmezeitpunkt und wahrscheinlich noch immer, war es der höchste Einsatz einer handelsüblichen, nicht-militärischen Drohne. (vorher 6.500m.)


2017/03/02

Llullaillaco (6.739)

Nachdem unsere Expedition an Plomo und Pili die Spuren der Inkas aufgenommen hatte, folgten wir diesen noch etwas nach Norden. Unser Ziel war der Llullaillaco, mit der höchstgelegenen Fundstätte menschlicher Mumien. Außerdem wollten wir der Wissenschaft einen Dienst erweisen und den Datalogger einer Wetterstation am Gipfel wechseln.

Dazu brauchten wir natürlich selbst gutes Wetter. Im Grunde genommen gab es das auch: allerdings immer nur am Vormittag. Gegen 14 Uhr zog täglich der Himmel zu und zwischen 15 und 18 Uhr entluden sich heftige Gewitter. (Wetterverlauf wie in San Pedro und am Pili)
Damit konnten wir unseren Plan vergessen, eine Besteigung mit Hochlager (auf 6.100 Meter) zu machen. Uns blieb nur die Möglichkeit vom Basislager (S24°43.806' / W68°34.670' / 5.063) in einem Zug zum Gipfel zu steigen, 1.676 Höhenmeter.


Llullaillaco bei der Anreise von chilenischer Seite

Entsprechend zeitig mussten wir aufbrechen. Wir verabredeten uns um 23 Uhr im Essens-Zelt und marschierten Mitternacht los. Unser Plan sah vor, dass wir 10 Uhr den Gipfel erreichen oder umkehren müssten.
Vom Basislager geht man zunächst etwa 20 Minuten auf den Berg zu und steigt dann linker Hand eine Flanke hinauf, welche zu einer Rippe des Llullallaco führt. Dieser folgt man seitlich, einigermaßen Windgeschützt, bis es auf etwa 5.900 Metern in eine lange Rinne übergeht, welche zum Sattel zwischen den beiden Gipfeln führt. Bis dahin war es aber noch ein weiter Weg.
Ungefähr auf Höhe des geplanten Hochlagers (6.100) zogen wir die Steigeisen an und gingen etwa 200 Höhenmeter, in z.T. tiefen Schnee. Weiter oben war der Schnee fester oder wir kämpften uns am Rinnen-Rand durch großes Blockgestein. Die Steigeisen brauchten wir dann nicht noch mal.


Aufstieg am Llullaillaco, etwa 6.400 Meter

Schon ab 5.700 Metern zeigte sich unsere Gruppe (7 Bergsteiger) unterschiedlich leistungsstark. Alle hatten wir jedoch den Willen gemeinsam auf dem Gipfel zu stehen. Wir kamen nur langsam voran. 10 Uhr fehlten uns noch 150 Meter, mehrere Vorgipfel nervten uns, aber endlich kurz vor 11 Uhr erreichten wir geschlossen den höchsten Punkt. Was für ein Erfolg!


Gipfel Llullaillaco (6.739)

Das Wetter war am Gipfel anfangs noch gut. Wir konnte schöne Fotos und Filmaufnahmen machen. Der Wechsel des Dataloggers funktionierte problemlos. Wir richteten außerdem den kleinen Mast der Wetterstation etwas auf.
Vom Gipfel kann man hinüber zur, etwas niedriger liegenden, Fund-, bzw. Ausgrabungsstätte der 3 Inka-Mumien blicken. Obwohl ich mich sehr gut fühlte und ich sehr gerne dorthin gegangen wäre, musste ich verzichten. Die Stelle liegt entgegengesetzt der Aufstiegs-Route, man muss also zunächst ab- und dann wieder aufsteigen. Wir lagen über 60 Minuten hinter der Umkehrzeit und es zogen Wolken auf.


Fundstätte der Inka-Mumien / aufziehende Wolken


Das Gewitter erreichte uns im Abstieg gegen 14 Uhr. (etwa auf 5.800 Metern) An dieser Stelle gab es nichts, wo man hätte Schutz suchen können. Wir lagen 20 Minuten flach am Boden, während sich um uns herum die Blitze entluden. Dann entfernten die Einschläge sich ein wenig. Wir warteten noch etwas und stiegen, bzw. rannten, den Berg hinab.
Leider begann es dann abermals und diesmal lagen wir 45 Minuten flach auf dem Bauch. Unsere Rucksäcke ließen wir den Berg abrollen, die Treckingstöcke schleuderten wir weit von uns weg. Um uns, über uns, überall entluden sich die Blitze. Teilweise hörten wir Sekunden vorher ein Knistern in der Luft dann blitze und knallte zu gleichen Zeit. Manchen von uns wurden Mütze, Bart und Haare heiß. Wir befanden uns genau im Zentrum des Unwetters, welches einfach nicht weiterzog.
Als es dann doch etwas nachließ, begannen wir in gebückter Haltung den Berg hinab zu rennen. Die Rucksäcke schleuderten wir meist vor uns her, damit sie abrollten. Immer wieder mussten wir uns für kurze Zeit hinlegen und warten. Weiter unten wurde es dann irgendwann sicherer. Wir erreichten das Camp kurz vor 17 Uhr.


Gipfeltag: 21.01.2017




2017/02/16

Acamarachi (Vulkan Pili) 6.046

Der formschöne, steil aufragende Vulkan Pili (auch Acamarachi) gehört zu den heiligen Bergen der Inkas. Unmittelbar in Gipfelnähe wurden Federn, Kleider, Gold- und Silberstatuen gefunden. Seine Besteigung ist technisch einfach, erfordert jedoch körperliche Schwerstarbeit über steile Geröllhänge.

Nach einem Reisetag (Santiago - Calama - San Pedro de Atacama) und einem Ruhetag (San Pedro de Atacama), fuhren wir weiter zum, sehr abgelegenen Pili-Basislager. (S23°14.338' W67°35.717'/4582m) Für die Anfahrt durch die Hochwüste der Atacama sind sehr gute Geländewagen und Weg-Kenntnisse erforderlich. Die Landschaft ist atemraubend.

Acamarachi (Vulkan Pilli)

Da die Wetterprognose für den nächsten Tag noch am Besten war, starteten wir den Gipfelversuch ohne weiteren Ruhetag. Dazu sind wir am Morgen, 03.00 Uhr mit dem Geländewagen bis auf 4.900 Meter gefahren. Ab dieser Höhe setzten wir den Aufstieg zu Fuß fort. Es gibt am Pili keinen so richtig sichtbaren Pfad, dazu wird er zu selten bestiegen.



 
Pili Basislager

Unser Aufstieg erfolgt aber ziemlich logisch von Nordosten in den Sattel zwischen Pilli und dem Nachbarberg Colachi hinein. Danach konnten wir, da diesmal wenig Wind herrschte, dem Grat in Richtung Gipfel direkt folgen. Normalerweise sei das nur selten möglich und der beste Verlauf führt dann windgeschützt über die Geröllhänge auf der Nordwestseite.
Entlang des Grates kann man einigermaßen auf festem Untergrund, großem Blockgestein, aufsteigen. In der Nordwest-Flanke macht loses, klein steiniges Geröll den Aufstieg zur Qual.


Aufstieg zum Sattel mit Sonnenaufgang

Die letzten 150 Höhenmeter vor dem Gipfel sind interessant: zunächst passiert man (bei beiden Möglichkeiten) den Kraterrand des Vulkans. Von dort sind die zwei Gipfel gut erkennbar. Der höhere liegt auf der linken Seite. Etwas oberhalb des Kraters (auf der rechten Seite) gibt es eine kleine Plattform, welche von den meisten Bergsteigern gar nicht wahrgenommen wird. An dieser Stelle kann man deutlich Spuren der Inkas finden: rumgedrehte Steine, Holz-Reste usw. Es ist auch die Fundstelle der Gold- und Silber-Statuen und vielleicht liegt da noch was... Ich habe mir diese Stelle im Abstieg angesehen. Allerdings erreicht man die Plattform nicht ohne Gegen-Anstieg.

Zum Hauptgipfel geht es zunächst über Blockgestein weiter. Zum Schluss gibt es eine kleine Kletterei, fast wie am Ojos de Salado.


Acamarachi Gipfel

Am Gipfel verweilten wir vielleicht 20 Minuten. Wir sahen hier schon schwarze Wolken aufziehen, welche ein Gewitter ankündigten. Einen ähnlichen Wetterverlauf, mit starkem Gewitter ab 15 Uhr, hatten wir bereits am Vortag beobachtet. Ebenso die beiden Tage in San Pedro de Atacama.
Vielleicht war es darum nicht ganz schlau, dass ich im Abstieg den Abstecher zur Inka-Plattform machte. (30 Minuten) Im Nachhinein möchte ich ihn aber nicht missen. Es ist ein faszinierender Ort und ich bildete mir in den Minuten dort ein, eine besondere Energie zu spüren.

Dann, im weiteren Abstieg wählten wir den steilen, steinigen Weg durch die Nordwest-Flanke. Dort ist Vorsicht geboten: leicht können sich auch große Steine lösen und gefährlich den Berg hinab schießen.
Kurz vor dem Sattel befindet sich ein Holz-Depot aus der Inka-Zeit. Sie müssen dieses Holz als Brennholz oben auf der Plattform verwendet haben, wo es früher auch eine Pirca (einfache Schutzhütte) gab. Im trockenem, frostigen Klima war das Holz sehr gut erhalten.


500 Jahres altes Holz an den Hängen des Pilli

Gegen 14:30 Uhr, im Abstieg vom Sattel ging das Gewitter los. Wir erreichten diesmal sicher die Autos. Die Wetterlage in der Region, begann uns jedoch Sorge zu bereiten. Sie ist nicht normal im Januar. Es gibt ein kurzzeitiges Wetterphänomen, üblicherweise im Februar: den "bolivianischen Winter" (Inverno Boliviano). Dieser scheint sich in den letzten Jahren verschoben, ausgeweitet und in Stärke zugenommen zu haben. Die Chilenen sind beunruhigt: die Atacama-Wüste ist seit hunderten Jahren eine der trockensten Regionen der Erde. Sie kann kaum Wasser aufnehmen und es kommt nun immer häufiger zu Überschwemmungen und Verwüstungen, weil innerhalb weniger Minuten riesige Wassermengen herab stürzen. Tatsächlich haben wir vielerorts unterspülte Straßen angetroffen und reisenden Abflüsse, da wo zuvor nur trockener Wüstensand war.


Gipfeltag: 15.01.2017



2017/02/07

Cerro Plomo (5.424)

Seine weißen Gletscher leuchten, bei klarer Sicht, hoch über Santiago und locken im Sommer eine Vielzahl Bergsteiger an. Nicht erst seit der Neuzeit. Vor über 500 Jahren begab sich das Volk der Inka zum Plomo um, weit oben am Berg, ein Kind zu opfern und zu begraben.

Unsere Expedition folgte den Spuren der Inka. Der Plomo sollte der erste von drei heiligen Bergen sein, welche wir besteigen wollten. Mit 5.424 Metern Höhe und der Nähe zu Santiago, eignet er sich ideal zu Akklimatisation und zur Vorbereitung auf noch höhere Ziele.


Camp "Piedra Numerada" und Cerro El Plomo

Theoretisch kann dieser Berg, ab Santiago, in nur 3 Tagen bestiegen werden. (volle Akklimatisation vorausgesetzt) Wir nahmen uns etwas mehr Zeit und verweilten in den Camps für jeweils 2 Nächte: Piedra Nummerade (3.550), Camp Federacíon (4.120). Das Trecking begann ab Valle Nevado auf knapp 3.000 Metern. (Santiago ist 800 Meter hoch) Ursprünglich sah unser Plan auch eine Besteigung des Cerro Leonera (4.954) direkt oberhalb des Camps Federacion, vor. Wegen schlechtem Wetters gaben wir dieses Vorhaben jedoch auf.


unterer Abschnitt der Gipfel-Etappe, etwas rechts der Mitte: Camp Federacion (orangene Zelte)

Wie die meisten Gruppen, starteten wir am Gipfeltag vom Camp Federacion und hatten über 1.300 Höhenmeter zurück zu legen. Alternativen bieten sich sonst mit dem Camp "La Hoya" (4.300) oder ab der Biwak-Schachtel Refugio Agostini (4.600, kein Wasser).
Wir starteten am frühen Morgen 4:30 Uhr und erreichten 12.00 Uhr den Gipfel.


Iver Gletscher


Die Normal-Route folgt im unteren Teil einem gut sichtbaren Pfad im Geröll. Oberhalb des Refugio Agostini geht es dann zunehmend durch steiniges Gelände, u.a. eine von den Inkas angelegte Querung zur Pirca del Inkas (5.050). Nach einer einfachen Gletscher-Querung erreicht man auf 5.140 Metern die Opferstelle der Inkas. Der verbleibende Weg zum höchsten Punkt ist leichtes Geh-Gelände. Uns machte lediglich ein starker Wind zu schaffen und natürlich die dünne Luft.


Opferstelle der Inka, auf dem Cerro Plomo

Das die Inka hohe Berge in den Anden und der Atacama-Wüste bestiegen, ist mittlerweile gut bekannt, wenn auch verwunderlich. Der Cerro Plomo, mit seinem weit sichtbaren Gletscher, galt wohl als Wasserspender, als heiliger Berg...
Keineswegs üblich waren regelmäßige Menschenopfer auf den Bergen. Solcher Opfer wurden nur zu selten Anlässen gemacht: langen Dürre-Perioden, bevorstehenden Kriegen usw. Die Opfer wurden gezielt ausgewählt und entstammten den höchsten, gesellschaftlichen Schichten, meist dem Königshaus. Sie wurden jahrelang auf diese "Capachocha" genannte Zeremonie vorbereitet. Selten fanden sich Spuren von Gewalt an den mumifizierten Leichen.


Plomo-Gipfeltag: 10.01.17


2016/12/30

Wetterstation auf dem Llullaillaco

Wenn wir im Januar die Besteigung des Llullaillaco (6.739) in der chilenischen Atacama-Wüste versuchen, sind wir auch im Auftrag der Wissenschaft unterwegs. Für die Meteorologie.

Auf dem Gipfel des Llullaillaco befindet sich eine Wetterstation der österreichischen "Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik" (ZAMG). Deren Datalogger muss getauscht werden. Und wir wollen es übernehmen. Hoffentlich ist das Ding nicht schwer.






Die klimatischen Verhältnisse am Llullaillaco sind im Januar, sowie im gesamten Süd-Sommer (November bis März) am besten. Mit etwas Glück liegen die Tages-Temperaturen dann nur leicht unter dem Gefrierpunkt. Die Windgeschwindigkeiten sind geringer (5-10 m/s) als im Winter (10-12 m/s).
Allerdings muss man im Sommer mit lokalen (kurzzeitigen) Störungen, wie Gewitter und Schneefall rechnen, welche meist 1 bis 2 Tage anhalten. Das Wetter im Winter ist stabiler und trockener, jedoch sehr viel kälter (bis -18° am Tag).
Tiefer Schnee, resultierend aus überraschendem Schneefall, hat schon einigen Expeditionen ein Ende gesetzt. Die Atacama-Wüste ist sonst jedoch einer der trockensten Gegenden der Erde. Der Llullaillaco ist nicht vergletschert.


2016/10/25

Auf den Spuren der Inkas

Zu den erstaunlichsten Belegen, der nur kurze Zeit währenden Inka-Kultur, zählen deren Spuren auf den 5- und 6-Tausendern der Anden und der Atacama-Wüste. 1999 sorgten Ausgrabungen menschlicher Mumien auf dem Gipfel des Llullaillaco, des zweithöchsten Berges Chiles, für Schlagzeilen. Durch das trockenen Klima und die Kälte auf fast 7.000 Meter, sind es die best erhaltenen Mumien der Welt. Sie gaben den Forschern einige Rätsel auf.

Vermutlich handelt es sich bei den drei gefundenen Kinder-Leichnamen (ein 4 bis 5 Jahre alter Junge, ein gleichaltriges, sowie ein 13-jähriges Mädchen) um Opfer eines Inka-Rituals (Copachocha) vor über 500 Jahren. Ihr Tot war wohl lange geplant und vorbereitet, jedoch lassen sich an den Mumien keine Spuren körperlicher Gewalt erkennen. Es gilt an wahrscheinlichsten, dass sie in der extremen Höhe einfach eingeschlafen und nicht wieder aufgewacht sind. Mit gut erhaltenen Haar-Proben des älteren Mädchens konnte ein einjähriger Coca- und Alkohol-Konsum nachgewiesen werden. In den Wochen vor dem Tod war der Konsum der berauschenden Substanzen besonders stark.

Video: Bergung der Mumien vom Llullaillaco




Im Januar 2017 wird uns eine Expedition zum Llullaillaco führen. Zuvor auch zum Cerro El Plomo in den Anden sowie zum Vulkan Pilli in der Atacama, anderen Fundstätten von Inka-Opfern. Am Plomo wurde die Mumie eines Jungen entdeckt, am Pilli Schmuck und Keramik aus der Inka-Zeit.

Die Besteigung des Plomo (5.424), in den Nähe von Santiago, soll uns als Eingeh-Tour dienen. Pilli (6.046) und Llullaillaco (6.739) sind schwerer zugänglich und erfordern den ganzen logistischen Aufwand einer großen Expedition. Insgesamt werden wir 7 Teilnehmer sein.
Unsere Vorbereitungen sind fast abgeschlossen, die Flüge sind gebucht und mit Spondylus-Chile haben wir einen bewährten, lokalen Logistik-Partner an der Seite. In der verbleibende Zeit können wir unsere Ausrüstung sortieren und uns konditionell vorbereiten.
Trotz geringer technischer Schwierigkeiten, sind diese Bergbesteigungen anstrengend und lang. Die Tatsache, dass vor 500 Jahren schlecht ausgerüstete Inkas, die für sie heiligen Berge bestiegen, wird uns nicht leichtsinnig machen. Wind und Wetter sind unberechenbar. Es kann gute Tage geben und Tage an denen ein Aufstieg unmöglich ist. Wir haben nur 3 Wochen Zeit für Akklimatisation und Besteigung.

Hier habe ich einige Dokumente zum Forschungsstand der Inka-Opfer abgelegt. (englisch-sprachig)



2016/09/05

Tupungato Video

Ich habe ein kurzes Video von der Besteigung von Tupungatito (5.913) und Tupungato (6.570) geschnitten. Die beiden Berge liegen in den Anden, an der Grenze von Chile und Argentinien. Wir waren im Februar 2016 dort.





Es ist nur ein kurzes Video, gibt aber ganz gut den Charakter der Tour wieder. Im zweiten Teil folgten wir allerdings nicht der Normal-Route zum Tupungato. (siehe auch Eintrag vom 28.02.16) Am Tupungato haben wir nur auf dem Gipfel gefilmt, in der Südwest-Wand nur fotografiert.




2016/04/17

Nationalpark Yerba Loca

Wenn im Sommer große Hitze über Santiago liegt, fliehen die Bewohner der chilenischen Hauptstadt gerne in die Berge. Im Nordosten zum Beispiel hinauf in Richtung Farellones und den Schigebiete von La Parva und dem Valle Nevado. Auf halber Strecke des Camino a Farellones befindet sich der Eingang zum Nationalpark Yerba Loca. Für uns ein guter Ort für die Höhen-Akklimatisation.

Will man aus Europa kommend einen 6.000er der Anden besteigen, ist es besser ein paar Tage zwischen 2.000 und 3.000 Höhenmeter zu akklimatisieren. Yerba Loca bietet sich an, liegt es doch sehr nahe bei Santiago und schon ausreichend hoch. 


abendlicher Blick von Villa Paulina

Das Tal zieht sich, ein wenig eingeklemmt zwischen zwei Bergketten, von 1.800 Metern hinauf auf eine Höhe von 3.900. Flora und Fauna sind vielfältig und wechseln entsprechend der Höhelage. Es gibt mehrere Plätze, in unterschiedlicher Höhe, an denen Camping erlaubt sind. Die meisten Santiago'er schaffen es allerdings nur bis Villa Paulina (mit dem Auto) wo sich fröhlich ein langes Wochenende verbringen lässt.


Flora, nahe Los Hornitos (2.500m)

Der in Villa Paulina (2.000m.) beginnende schmale Wanderweg folgt dem Rio Yerba Loca talaufwärts bis zur Basis des, auf einer Höhe von 3.900 Metern liegenden, La Paloma Gletschers und ist 19 Kilometer lang.
Wir wanderten am ersten Tag nur 5 Kilometer bis zu einem Platz der Los Hornitos heißt, auf 2.535 Meter. Am zweiten Tag 4 weitere Kilometer nach La Lata auf 2.800 Meter. Nach einer Nacht dann zurück ins fröhliche Villa Paulina. Von dort am nächsten Tag zum Parkeingang, von wo wir zurück nach Santiago trampten.


La Lata (2.800m.)

Leider kann man den Eingang zum Nationalpark Yerba Loca nicht mit dem Bus erreichen, welcher nur im Tal verkehrt, aber nicht den Camino a Farellones hinauf fährt. Uns brachte ein chilenischer Freund dorthin, wobei wir auf der Strecke noch zwei Wanderer einsammelten.
Trampen oder Taxi ist in der Sommer-Hitze deutlich besser als laufen. Den Park-Eingang erreicht man exakt in Kurve 15. Von dort kann man nach Villa Paulina laufen oder ggf. auf schlechter Straße fahren.



2016/03/18

Tupungatito (5.650)

Da wir uns für die Tupungato-Besteigung die SW-Route vorgenommen hatten, bot sich die ideale Kombination mit einer Besteigung des Tupungatito an. Der "kleine Bruder" liegt im Süden genau gegenüber und hat mit 5.650 Metern die ideale Höhe als Eingehberg.




Sein Basislager auf 4.870 Metern diente auch uns als Basis für den Tupungato und ist normalerweise auch Ausgangspunkt für den Aufstieg zum Tupungatito. Wir hatten allerdings noch ein Highcamp für den Tupungato einzurichten, welches im Sattel zwischen den beiden Vulkanen, auf 5.200 Metern liegen sollte. Wir konnten das eine mit dem anderen verbinden: am 09. Februar versorgten wir das Highcamp und gingen von dort über den Tupungatito zurück zum Basislager.





Es war ein einigermaßen langer (6:30 Stunden) aber genialer Tag. Für den Aufstieg aus dem Norden gibt es keine erkennbare Route. Wir haben uns ein wenig an den Rauchfahnen orientiert, welche aus einem hyper-sauren Kratersee im Süden, aufstiegen. Unser höchster Punkt, den ich mit etwas mehr als 5.650 Metern gemessen hatte, lag dann aber noch ein Stück weit davon entfernt. Der Weg um den halben Krater war wunderbar.





Gipfeltag: 09.02.2016


2016/02/28

Tupungato (6.570)

Das sind einige Fotos vom Tupungato in der Grenzregion der chilenisch / argentinischen Anden. Mit 6.570 Metern ist er die höchste Erhebung südlich des Aconcagua.

Anders als beim höchsten Berg Amerikas, verirren sich zum Tupungato jedoch so gut wie keine Expeditionen. Die 12 Tage unserer Besteigung verbrachten wir diesmal in völliger Isolation.
Der Anmarsch zum Berg ist noch länger als am Aconcagua. Für die beiden ersten Tage konnten wir unsere Last noch von Mulis transportieren lassen. Die dann noch folgenden drei Camps haben wir selbst versorgt und sind die Tagesetappen jeweils zweimal im Aufstieg angelaufen.


Noch in den Wolken: der Tupungato, 6.570 Meter hoch

Die Besteigung am Gipfeltag führte ich mit Mario, einem chilenischen Freund durch. Wir wählten nicht die Normal-Route, sondern einen Weg durch die Südwest-Flanke des Bergriesens. Unser letztes Zelt (Highcamp) hatten wir auf 5.100 Meter gestellt. Von diesem Punkt kann man auf Schnee und Eis klettern. Zwischen 5.400 und 6.400 durchgehend auch ziemlich steil. (45-60 Grad) Erst die letzten 100 Höhenmeter, flachen ab und der Gipfelbereich ist vom Wind teilweise schneefrei geblasen.


Südwest-Flanke Tupungato


Wir hatten am Gipfeltag, bzw. der Nacht ein kleines Problem mit starkem Wind, vielleicht 100km/h am Gipfel. So konnten wir nicht, wie üblich in der Nacht, losgehen, sondern erst 10 Uhr am Tag. Zum Glück hatte sich der Wind am Morgen deutlich gelegt.
Der Schnee war aber im Aufstieg noch einigermaßen fest und wir sind schnell voran gekommen. Auf dem Rückweg war etwas Vorsicht in den Spaltenzonen notwendig und natürlich Eile geboten, weil wir noch im Hellen das Highcamp abreisen und weiter absteigen wollten.


Gipfel, hoch oben in den Anden

Gipfeltag: 11.02.2016




2015/04/14

Incahuasi Video

Es gibt ein kurzes, verwackeltes Video vom Incahuasi-Aufstieg. Besonders am Gipfel war es nicht einfach die Kamera ruhig zu halten. Genau wie es aussieht, fühlte es sich dort aber auch an...





Nach dem Incahuasi waren wir ziemlich geschafft. Am darauffolgenden Tag fuhren wir die Ruta 31 über den Paso San Francisco (argentinische Grenze) in 6 Stunden nach Fiambala, dem nächst gelegenen Ort, wo man duschen und viel Essen kann. Auf argentinischer Seite, heißt die Straße RN60 und ist viel besser als in Chile.


endlos: RN60 vom Paso San Francisco nach Fiambala

Vor der Pissis-Besteigung blieben wir nur eine Nacht in Fiambala, danach zwei Nächte. Für uns war es wichtig die Vorräte an Lebensmitteln, Wasser und Benzin aufzufüllen. Der Weg zum Pissis würde lang sein.
Fiambala bietet nicht viele Attraktionen, aber man bekommt einen Einblick in das Leben der argentinischen Provinz.


Fiambala (Region Tinogasta, Argentinien)


In den Jahren 2009 bis 2012 war Fiambala Etappen-Ort der Rallye Dakar. Dadurch, und weil es recht günstig an die Straße angebunden ist, gibt es ein paar Hotels, Restaurants und eine Tankstelle. Ausserdem existieren zwei Geld-Automaten. Der eine akzeptiert allerdings keine Kreditkarten, der andere gibt nur gelegentlich Geld aus.

Nach dem Pissis konnten wir in Fiambala endlich Briefmarken kaufen und ich ging zum Frisör. Wir besuchten ein kleines Weingut und nahmen ein Bad in den Thermal-Quellen oberhalb des Ortes.




2015/04/06

Incahuasi (6.622)

Für mich ist der Vulkan Incahuasi einer der schönsten Bergriesen der Atacama Wüste. Klar, dass ich ihn einmal besteigen wollte. Der fünft höchste Berg Chiles ist auch historisch gesehen einer der interessantesten Berge Süd-Amerikas. Es gilt als ziemlich sicher, dass er bereits vor etwa 600 Jahren schon, von den Inkas bestiegen wurde!


Incahuasi - von der argentinischen Seite fotografiert

Offiziell gilt der Deutsche Walther Penk, der 1913 den Gipfel erreichte, als Erstbesteiger. Etwas unterhalb des Gipfels traf Penk allerdings auf Reste einer Pirca (Steinmauer) wie sie üblicherweise die Inkas errichteten.
Es ist bekannt, dass das Volk der Inka während ihrer nur 60 Jahre währenden Blütezeit, eine Reihe hoher Berge der Anden bestieg.
Genauso wie heutzutage, erklommen sie deren Gipfel im Expeditionsstil, mit einem Basislager und einer Reihe von (jeweils in Sichtweite liegender) Hochlager. Ihr logistischer Aufwand muss jedoch ungleich höher gewesen sein als heute. Wasser und Lebensmittel mussten mit Tragetieren, vermutlich in monatelangen Märschen, herbeigeschafft werden.


Incahuasi Basislager und Vulkan "El Fraile" (6.061)


Wir hatten nur die 3 Wochen unseres Urlaubes. Dafür konnten wir mit Allrad-Fahrzeugen bis zum Basis-Lager fahren. Und wir hatten die Möglichkeit per Satelliten-Telefon Wetterinformationen aus Santiago einzuholen...

Leider wurde sehr starker Wind oberhalb von 6.000 Metern angekündigt. Diese Vorhersage und die Tatsache, dass einige Teilnehmer Schwierigkeiten hatten, in großer Höhe zu schlafen, erforderten Änderungen im ursprünglichen Plan.
Wir wollten nun versuchen, ohne Hochlager, direkt vom Basislager zum Gipfel zu gehen. Insgeheim hofften wir natürlich, möglichst weit fahrend einen hohen Standort für das Basislager zu erreichen. Im tiefen Lava-Sand, war dann allerdings auf 4.970 Metern Schluss. Immerhin!

Unser Lagerplatz am Fuße des "El Fraile" (S.27°01.852' / W.068°21.382) bot einigermaßen Schutz vor dem Wind. Vielleicht hätten die Zelte an den höheren Hängen des Incahuasi, dem Sturm nicht stand halten können. Am Gipfeltag mussten wir also 1.652 Höhenmeter aufzusteigen. Eine schöne Aufgabe, ein ziemlich langer Weg.


Aufstieg Incahuasi (etwa 6.000 Meter)


Weil die Windgeschwindigkeiten in der zweiten Nachthälfte und am frühen Vormittag gewöhnlich am geringsten sind, starteten wir um 3 Uhr Nachts. Es gibt am Incahuasi keine vorgegebene Route. Der Berg wird einfach zu selten bestiegen, als das sich ein Weg bilden könnte. In manchen Jahren vielleicht überhaupt nicht.
Von chilenischer Seite geht es über den Nordwest-Hang zunächst zum Krater-Rand und diesen entlang zum höchsten Punkt. (ein Viertel des Krater umrundend, nach Nord) Dieser Routen-Verlauf bringt es mit sich, dass man auch nach Sonnenaufgang lange Zeit im Schatten des Berges bleibt. Ich bin darum komplett in Daunen-Bekleidung gestiegen. (etwa minus 20 Grad)


höchster Punkt (Felsen vorn) und Blick in den Krater des Incahuasi

Um es kurz zu machen: unsere Expedition war an diesem Tag nicht besonders erfolgreich. Aus unterschiedlichen Gründen, kehrten nach und nach (zwischen 5.400 und 6.400) die meisten Teilnehmer um, bis am Ende einzig Hans und ich übrig blieben. Die letzten 200 Meter gingen wir jeder sein Tempo, wie es eben noch ging. Hans erreichte den höchsten Punkt, nach knapp 10 Stunden Aufstieg, kurz vor 13 Uhr; ich wenige Minuten vor der vereinbarten Umkehrzeit von 13.30 Uhr. Ich bin glücklich, dass wir gemeinsam auf dem Gipfel standen. Ein kleiner Erfolg für die Expedition.
Mit dem Abstieg waren wir insgesamt 14 Stunden unterwegs.

Am Gipfel konnte ich mich kaum freuen. Vielleicht war ich zu schwach, aber ich trug auch Sorge in mir, wegen der abgestiegenen Kameraden. Wir konnten keinen Funk-Kontakt herstellen und nur hoffen, dass nach unten alles glatt gegangen ist. Wir alle hatten uns gemeinsam vorbereitet und waren gemeinsam in der Nacht aufgebrochen, aber (wie man so sagt) an diesem Tag war der Berg zumeist stärker.


Routenverlauf auf chilenischer Seite


Was den Incahuasi (neben der Höhe) so schwierig macht, sind seine endlosen Lava-Hänge. Es gibt keinen Gletscher mehr, der einen festen Untergrund bieten würde. Oberhalb von 6.000 Metern, wenn die körperliche Leistungsfähigkeit unter 50% gesunken ist, verspürt niemand Lust jeden Schritt zur Hälfte wieder abzurutschen. Es raubt einen schleichend die Kraft. Der Aufstieg ist eher ein physischer Kraftakt, als ein alpiner Leckerbissen.
Außerdem, steht der Berg extrem dem Wind ausgesetzt, was an unserem Gipfeltag sehr störend war. Entlang des Krater-Rand konnte ich mich nur mit Not noch auf den Beinen halten...

Oben ist der Incahuasi ein sehr schöner Berg. Das Gestein wechselt dort ein paar Mal seine Farbe und auch der Krater ist gut erhalten. Zum Gipfel hin, gibt es zum Schluss eine kleine Fels-Kletterei. Obwohl am Ende meine Kräfte, hätte ich nicht darauf verzichten wollen.




2015/02/15

Expedition Incahuasi & Pissis

Es geht zu den höchsten Bergen der Anden. Und auch zu den abgelegensten, tief in die Atacama-Wüste. Der Vulkan Incahuasi (6.621) und der Pissis (6.790) werden nur extrem selten bestiegen.

Ich werde Teil einer Trekking-Gruppe sein die von Hans, einem in Chile lebenden Freund, geführt wird. Seine Agentur ist Spondylus-Chile. Unsere Gruppe setzt sich aus 8 deutschen Teilnehmern zusammen, welche überwiegend aus dem Raum Leipzig / Halle kommen.
Vor etwas mehr als einem Jahr war ich mit Hans schon mal am Incahuasi. Wir erkundeten damals den Weg, verzichteten dann jedoch auf den Aufstieg. Nun ist es innerhalb einer größeren Expedition und mit kompletter Logistik ein sicheres Unternehmen. Für Hans ist der Incahuasi ebenfalls Neuland, währen er schon einige Expeditionen zum Pissis leitete.


Incahuasi (6.621) und Laguna Verde

Beide Berge sind sehr abgelegen und hoch. Der in Argentinien liegende Pissis galt eine kurze Zeit als höchster Berg Amerikas. Nach einer genauen Vermessung ist er aber nach Aconcagua (6.963) und Ojos del Salado (6.893) zweifelsfrei der Dritthöchste.
Sowohl Pissis als auch Incahuasi sind wahrscheinlich schwieriger zu besteigen als Aconcagua und "Ojos". Man erzählt, beide Berge fordern, obwohl technisch anspruchslos, physische Kraft und mentale Stärke bis an die Grenzen. Einen Strich durch die Rechnung kann zusätzlich immer das Wetter, insbesondere extreme Stürme machen. Es ist nicht sicher, dass wir die Gipfel erreichen werden.



2014/05/29

Marmolejo Video

Hier noch das Video vom Marmolejo-Gipfeltag. Es zeigt das letzte Stück, oberhalb des Gletschers, zwischen 5.600 und 6.108 Metern.





Außerdem etwas Werbung für das Hotel Paris 813 in Santiago de Chile. Es liegt direkt im Zentrum, nahe der Metro-Station Universidad de Chile. Von dort kann man alles einkaufen, was man für die Berge braucht und erreicht die Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt zu Fuß.
Inhaber des Hotels ist Mauricio Porto, der 1992 als erster Chilene auf dem Mt. Everest stand. Ich traf seinen Sohn in Lo Valdes. Er empfiehlt das Hotel als Anlaufpunkt für Bergsteiger.

Ein gutes Bed & Breakfast in Santiago ist das B&B Conchita Flores, im Barrio Providencia (U-Bahn: Manuel Montt) In diesem Barrio spielt sich ein typisches chilenisches Leben ab und es gibt weniger Touristisches als im Zentrum. Dafür erreicht man schnell, über den Plaza Italia, den Zugang zum Cajon del Maipo.

Hotels gibt es in Santiago wie Sand am Meer. Allerdings schwanken die Preise je nach Saison und sind nicht so niedrig wie in anderswo in Süd-Amerika.



2014/05/12

Cerro Marmolejo

Obwohl er europäischen Bergsteigern nahezu unbekannt ist, geniest der Marmolejo in Chile einen ausgezeichneten Ruf. Bei seiner Erwähnung ziehen die heimischen Andinisten die Augen hoch und werden aufmerksam. 
Sein Zustieg ist lang und kraft-zehrend, sein Gipfel liegt meist im Sturm. Der Marmolejo ist außerdem der südlichste 6.000er der Welt.

Nach unserem Abstieg vom Vulkan San José, wanderten wir direkt weiter ins Tal des Estero Marmolejo und folgten diesem, inklusive einiger Flussquerungen, 4 Stunden aufwärts zum Marmolejo Basecamp. (S.33°44'949" W.069°58'217" 3.327m.)
Wie waren auf diesem Wegstück, wie zuvor schon die erste Etappe am San José, lediglich mit Tages-Rucksack unterwegs und konnten zügig gehen. Den Großteil der Ausrüstung brachten uns die Ziegenhirten mit Tragetieren das Tal hinauf. (160 USD für 4 Personen)


Die Passage zum 1. Highcamp führt über die Schulter (Bild-Mitte)

Nach diesem Lager muss das Gepäck dann aber wieder selbst getragen werden. Der nun zunehmend durch Geröll blockierte Weg, führt in einer reichlichen Stunde, auf eine steile Berg-Schulter (halbrechts), am Tal-Ende zu.
Wir schleppten unsere Rucksäcke über losen Schotter und Geröll hinauf und fluchten immer dann, wenn wir zurück rutschten oder das Gleichgewicht verloren. Immerhin konnten wir oben am Pass, den Anden-Condor wenige Meter an uns vorbei segeln sehen. Ein Anblick der die Mühe wert war.
Das 1. Highcamp liegt nur wenige Minuten hinter dem Pass auf 4.321 Metern. (S.33°42'864" / W.069°56'773") Wegzeit Basis-Lager zu Camp_2: 4:30 Std. (optimal akklimatisiert)

Am nächsten Tag stiegen wir, sehr kurzweilig, über großes Blockgestein und durch "Penitentes"-Felder in nur 3 Stunden zum nächsten Camp. Wir legten es an den Rand des Gletschers auf 4.907 Meter. (S.33°43'431" / W.069°55'629") Von diesem Punkt sind es noch 1.200 Höhenmeter zum Gipfel. Das sollte zu schaffen sein.
Das Wetter hatte sich inzwischen verändert: diesmal zu unserem Gunsten.


Blick zurück vom Camp_2

Wir starteten am Morgen kurz vor Sonnenaufgang direkt mit Steigeisen an den Stiefeln. Der Gletscher am Marmolejo ist sehr flach und wird oft als nahezu spaltenfrei beschrieben. Das stimmte zum späten Saison-Zeitpunkt unserer Besteigung nicht. (21.03.2014)
Sonne, Wind und vielleicht auch die globale Klima-Erwärmung, hatten tiefe Spalten in den Gletscher gezogen. Mario hatte im Vorstieg alle Mühe einen gangbaren Weg zu finden.

Einige Stunden querten wir, mit deprimierend geringen Höhengewinn, in großen Schleifen über den Gletscher, auf der Suche nach dem sichersten Weg. Immerhin macht diese Querung etwa die halbe Wegstrecke zum Gipfel aus. Neben Spalten, behinderte uns Penitentes sowie gelegentliche Tiefschnee- und Blankeis-Passagen. Abgesehen von Steil-Stücken, also alles was man an einem Gletscher erwartet.


schwierig: Penitentes und Spalten im Marmoleje Gletscher
(im Hintergrund: San José Norte)

Oberhalb führt ein breiter Bergrücken direkt zum Gipfel, welchen wir mit seiner Schnee-Fahne meist gut im Blick hatten. Diesmal war der Himmel blau und die Sicht optimal. Einzig der zunehmend starke Wind machte uns ein wenig zu schaffen.
Schon im Aufstieg war die Aussicht sensationell. Der Anden-Hauptkamm zeigte sich linkerhand und in der Ferne war sogar der Aconcagua zu sehen. Den Gipfel erreichten wir nach 7 Stunden.


oberhalb 5.800

Wegen des starken Windes hielten wir uns nicht übermäßig lange Zeit am höchsten Punkt auf. Wir machten ein paar Fotos, filmten und dann ging es schnell wieder zurück.
Die Querung des Gletschers kostete auch auf dem Rückweg viel Zeit. Wir versuchten es diesmal auf der anderen Seite, wo es aber nicht besser voran ging. Immer wieder Umwege und zuweilen kleine Einbrüche. 11,5 Stunden nachdem wir am Morgen aufgebrochen waren, erreichten wir endlich die Zelte. Ein wunderbarer Tag lag hinter uns und ein großartiger Anden-Gipfel.


Gipfel-Rand (6.108) und Blick zum Nord-Gipfel (5.964)