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2025/04/27

Zumbahua (Ecuador) 3.508 m.

Auf der Suche nach einem geeigneten Ort zur Höhenakklimatisation bin ich auf das Dorf Zumbuhahua, im Kanton Pujili, gestossen. Es liegt auf 3.500 Metern Höhe und Wanderungen bis auf 4.400 Meter sind ohne weiteres möglich.
Zumbahua bietet einige Sehenswürdigkeiten für Naturliebhaber, deren Highlight der atemberaubende Kratersee der Laguna Quilotoa ist. 


Hauptstraße in Zumbahua

Die Gemeinde Zumbahua ist bekannt für ihre starke kulturelle Identität, welche in vielen Aspekten des täglichen Lebens sichtbar wird. Die meiseten, der 12.000 Einwohner, gehören der indigenen Volksgruppe der Kichwa de la Sierra an. Sie leben hauptsächlich von Landwirtschaft und Viehzucht. Diese Produkte werden für den Eigenbedarf angebaut, aber auch auf dem samstäglichen Markt angeboten. 

Ich bin von Quito mit dem Bus nach Zumbahua gefahren. Zunächst vom Busbahnhof Quitumbe, in ca. 1:30 Stunden nach dem kleinen Ort Pujili, in der Nähe von Latacunca. (Preis: 2,45 USD) Dort hält der Bus am Ortsrand und man steigt direkt auf der Straße in einen Bus in Richtung Zumbahua, bzw. Quevedo um. Die Einheimischen helfen gerne und geben Auskunft. Der Bus stand schon bereit und ich musste nur meinen Rucksack umladen. Die Weiterfahrt dauert etwas über eine Stunde und kostet 2 USD. In Zumbahua steigt man oberhalb des Dorfes aus und geht 1 Kilometer hinab in den Ort. Ich hatte zuvor eine Reservierung in einem privaten Hotel gemacht. (35 USD/Nacht) Es ist aber nicht unbedingt nötig. Es gibt einige Hostals im Ort, aber kaum Touristen.



Zumbahua selbst wird nämlich kaum besucht. Die meisten Tagesbesucher fahren am Ort vorbei, bis zur Laguna Quilotoa, 15 Kilometer weiter, wo es ebenfalls Hostals gibt. Ich bin erst am nächsten Tag dorthin. Der Sohn meiner Wirtin hat mich mit seinem Auto hin und zurück gefahren.

Eine Wanderung um die, auf 3.800 Metern Höhe liegende Laguna, stellte für mich einen perfekten Baustein innerhalb der Höhenanpassung dar. Die Umrundung misst 11 Kilometer und ich habe 3,5 Stunden gebraucht. Es ging immer auf dem Kraterrand, diesen erloschenen Vulkanes, entlang. Der Weg ist gut sichtbar und manchmal sogar ein wenig anspruchsvoll. Der höchste Punkt befindet sich auf 3.930 Metern.


Laguna Quilotoa

Auf der Rückfahrt haben wir noch den beeindruckenden Toachi Canyon besucht. Er liegt direkt neben der Straße nach Zumbahua. Der Canyon wurde vor ungefähr 1.800 Jahren, im Zusammenhang mit einer Reihe von Vulkanausbrüchen geformt. Es war nicht immer so ruhig in der Gegend.


Toachi Canyon

Eine etwas längere Wanderung führte mich am Folgetag in südliche Richtung, zum Cerro Soldado Mapa (4.425 m.) Die Runde war 22 Kilometer lang und durchquerte die landwirtschaftlichen Anbauflächen von Zumbahua. 
In diesem Jahr herrschte eine große Trocknheit in Ecuador und es hatte, was sehr ungewöhnlich ist, seit Wochen nicht geregnet. Die Felder waren alle gelb, statt dem satten Grün, welches ich aus anderen Jahren gewöhnt war.
Die Wasserknappheit hatte aber auch Auswirkungen auf die Stromversorgung im gesamten Land. Da Elektrizität in Ecuador überwiegend aus Wasserkraft gewonnen wird, konnten Städte und Dörfer, nur nach einem ausgeklügelten Plan, stundenweise und zu unterschiedlichen Tageszeiten, mit Strom versorgt werden. Dadurch sollte die Netzspannung konstant und aufrecht gehalten werden. Als Reisender musste ich mich in jedem Ort, erneut nach den Stunden mit Elektrizität erkundigen. 



Der Weg zum Cerro Soldado Mapa führte mich behutsam in die Berge hinein, bis nach knapp 10 Kilometer eine kleine Kirche erreicht war. (Capilla de Rumicruz, 4.300 Meter) Dort hatte ich mich, weglos nach links zu halten, in Richtung des felsigen Gipfelaufbaus des Soldado Mapa. Es gab dort als letztes Hinternis einen Drahtzaun zu überwinden, denn offenbar befand sich der Gipfel auf privatem Land. Im felsigen Teil bin ich dann auf einen Einheimischen getroffen, der die im Tal weidenden Pferde betreute. Er hatte nichts dagegen, dass ich zum Gipfel wollte und erklärte mir sogar den Abstieg auf der anderen Seite. Er war ein sehr netter Mann und offentlich stolz, dass Jemand aus Deutschland gekommen war, um seine Heimat zu erkunden.


Cerro Soldado Mapa (4.425)

Auf den letzten Metern zum Gipfel musste ich die Hände zur Hilfe nehmen. Wahrscheinlich war ich nicht ganz auf der optimalen Route unterwegs. Der Abstieg auf der Gegenseite war technisch einfacher und es gab dort auch keinen Zaun. Dafür war der Weg zurück nach Zumbahua schwieriger zu finden. Er führte durch weite Wiesen, Täler und Hügel und zum Schluss wieder entlang der Felder.




2025/03/30

Templo Machay (Ecuador) 4.705 m. / T3

Der Templo Machya ist eine geheimnisvolle Höhle, auf 4.700 Metern Höhe, an den Hängen des Chimborazos. Wahrscheinlich diente sie über Jahrhunderte hinweg den Peruha Indianern als Ort für relegiöse Rituale. Einheimische besuchen die Höhle auch heute noch und legen dort Opfergaben nieder. Das Wort Machay steht auf Quechua für "Höhle" oder "Heiliger Ort".

Ich habe den Templo Machay einen Tag vor meiner Chimborazo-Besteigung besucht und ein kleines Opfer niedergelegt. Tatsächlich zeigte sich Apus, der Berggeist, daraufhin gnädig und gestattete mir einen fast schon zu einfachen Zugang zum Gipfel.


Höhleneingang (Bildmitte) Chimborazo im Hintergrund

In den Andenländern existiert eine große Vielfalt, was Götter, Geister und Heilige angeht. Die nachfolgende Aufstellung ist nicht vollständig...

  • Pachamama (Mutter Erde) ist die zentrale Gottheit innerhalb der andinen Mythologie. Sie steht für die Erde als lebendiges Wesen, die die Menschen nährt.
    Umweltzerstörung und Respektlosigkeit gegenüber der Natur erregen ihren Zorn und werden mit Missernten oder Naturkatastrophen bestraft.
  • Inti, der Sonnengott der Inka, wird als Quelle der Wärme und des Lebens verehrt. Er wird oft als goldene Sonnenscheibe mit Gesicht dargestellt. Auf vielen Bergen der Anden wurden Opfergaben an Inti, aus Gold, Silber, Coca-Blättern und manchmal Menschenopfern (besonders Kindern) gefunden.
  • Mama Killa (auch Mama Quilla) ist die Mondgötting und die Gamahlin des Sonnengottes Inti. Sie wird als Schutzpatronin der Frauen, der Ehe und der Fruchtbarkeit verehrt.
  • Supay, der Gott der Unterwel wird mit dem Tod und dem Bösen assoziiert, vergleichbar mit dem Teufel der christlichen Mythologie. Allerdings wird Supay nicht ausschließlich negativ gesehen. In traditionellen Tänzen und Festen der Anden wird er oft als schelmische Figut dargestellt.
  • Apus sind eine Gruppe von Schutzgeistern, die über die Berge der Anden wachen. Jeder Berg hat seinen eigenen Apus. Oft wrden besonders hohe Berge selbst, als die Apus (Schutzheiligen) einer ganzen Region betrachtet. (Ausangate, Salkantay, Illimani)
  • Illapa, der Gott des Donners und des Regens spielt eine entscheidende Rolle für das Wetter und damit für die Fruchtbarkeit der Felder.


Opfergaben im Templo Machay


Ich bin zum Templo Machay von der Chimborazo Base Camp Lodge aus, also aus dem Süden kommend, aufgestiegen. Es sind von dort etwa 800 Höhenmeter und ich habe für Auf- und Abstieg 3:30 Stunden benötigt. Der Pfad führt über weite Grasflächen, Sand und zum Schluß durch etwas Geröll sehr abwechslungsreich zur Höhle hinauf. Manchmal habe ich kurz den Weg verloren, der an manchen Stellen nur schwach ausgeprägt ist.
Es gibt einen weiteren Weg, aus Nordwesten, vom Refugio Carell kommend. In diesem Fall bewegt man sich bei der Wanderung nahezu auf konstanter Höhe. Das Refugio Carell ist mit 4.900 Metern sogar etwas höher gelegen.


Aufstiegsroute von Süden






Am Besten besucht man den Chimborazo Nationalpark während der Trockenzeit in den Monaten Juni bis August oder Dezember bis Januar. Dann sind die Wetterbedingungen stabiler und die Sicht besser.
In dern Monaten Juli und August bläst meist ein stärkerer Wind und es ist kälter.
Außerhalb dieser Zeiten muss man mit häufigen Regenfällen und Nebel rechnen. Prinzipiell kann man den Nationalpark aber ganzjährig besuchen.


Eingang Templo Machay



2025/03/02

Carihuairazo (Ecuador) 5.018 m. / L. II

Etwa 10 Kilometer nordöstlich des Chimborazo liegt der Vulkan Carihuairazo. Er könnte einmal ebenso hoch gewesen sein, wie sein bekannterer Nachbar, bis ihn eine Reihe von Explosionen zerlegt hat.
Bis vor kurzem führte die Route zum Gipfel noch über einen Restgletscher. Davon ist mittlerweile nichts mehr zu sehen. Der Aufstieg ist eine anspruchsvolle Wanderung, mit leichter Kletterei, in zum Schluß steinschlaggefährteten Gelände.

Ich bin den Berg zur Höhenanpassung, zwei Tage vor dem Chimborazo  bestiegen. Eigentlich ist der Carihairazo mit seinen gerade mal 5.000 Metern nicht ganz hoch genug. Aber er ist allemal ein interessanter Berg und seine moderate Schwierigkeit ist ein Vorteil während der Akklimatisation.
Leider hat es an meinem Gipfeltag geregnet, der Berg war in Wolken gehüllt und es war kaum etwas zu sehen. Wenn die Wolken aufrissen, zeigte sich vielerorts eine wunderbare Vegetation.


Ausgehend vom Chimborazo Basecamp sind wir in der Nacht 2.00 Uhr losgefahren. Der Carihuarazo befindet sich nordöstlich des Chimborazo. Darum mussten wir zunächst halb um den Chimborazo fahren. Das letzte Stück offroad bis die Fahrspur endete. (4.350 m.)

Lage Cariuairazo mit Normalroute

Mit meinem Guia Eloy bin ich dann kurz vor 3.00 Uhr am Auto los. Es regnete da schon. Die aus Norden kommenden Wolken stauten sich vor dem Chimborazo und regneten sich hier ab. Die Temperatur war unten noch etwas über dem Gefrierpunkt. 
Die Wegfindung erwies sich im Dunkeln nicht durchgängig als einfach. Es gibt unten viel Vegetation, weiter oben kann man die Route im Geröll verlieren. Eloy war schon ein paar Jahre nicht mehr am Cariuairazo. Beim seinem letzten Besuch existierte der Gletscher noch. Entsprechend hatten wir Steigeisen dabei. Auf deren Mitnahme kann man neuerdings verichten. 


Wanderung im Regen


Das Fehlen des Gletschers macht den Aufstieg auf den letzten Metern etwas unsicher. Das Gelände steilt zum Gipfel hin ziemlich auf und es ist mit Steinschlag zu rechnen. Der Untergrund ist Geröll oder im besten Fall Erde. Wegen der Steilheit haben wir angeseilt, Helm aufgesetzt und von Trekkingstöcken zu Eispickel gewechselt. Tatsächlich war es oben auch ziemlich vereist, dadurch aber weniger steinschlaggefährdet.
Wir erreichten den Kraterrand nach 3:15 Std., kurz nach 6.00 Uhr. Die Höhe ist dort ziemlich genau 5.000 Meter. Der höchste Punkt, 5.018 Meter, ist eine Felsnadel. Wegen Vereisung haben wir sie nicht versucht. Es wäre eine Kletterei im 5. Grad, wenn auch nur wenige Meter. 


Carihuairazo Gipfelnadel (5.018) im Hintergrund

Wegen des Eisregens und der schlechten Sicht sind wir ziemlich schnell wieder abgestiegen. Das erste Stück vom Kraterrand mit größter Vorsicht. Unten rissen dann manchmal die Wolken auf und ich konnte ein paar Fotos machen. Die Stimmung an diesem Berg und die Vegetation ist schon sehr ausergewöhnlich. In gewisser Weise profitiert der Carihuairazo davon, dass es dort viel regnet. 
Es gibt auf 4.620 Metern eine Lagune, rechts des Aufstiegweges. Dieser Ort eignet sich als Zeltplatz.



  • Gipfeltag: 30.11.2024
  • Distanz: 11,4 km / 5:30 Std. in Auf- und Abstieg
  • 650 Höhenmeter

  • Besteigungszeit: ganzjährig möglich.
  • Ausrüstung: Gore Tex, feste Schuhe, Helm, Eispickel
  • GPS Track



2025/01/26

Chimborazo (Ecuador) 6.263 m, PD

Der erloschene Vulkan Chimborazo ist ein wuchtiger Eiskoloss und der einzige 6.000er Ecuadors. Lange Zeit vermutete man in ihm, den höchsten Berg der Erde. Tatsächlich befindet sich sein höchster Punkt, am weitesten vom Erdmittelpunkt entfernt (2km mehr als beim Mt. Everest), nicht jedoch vom Meeresspiegel.
Bereits 1802 versuchte Alexander von Humbold eine Besteigung des Chimborazo und erreichte dabei eine Höhe von 5.500 Metern. Am 04.01.1880 gelang dann durch dem Briten Edward Whymper und seinen Bergführern Jean-Antoine und Louis Carrel die Erstbesteigung.

Ich war im Jahr 2010 zum ersten Mal auf dem Chimborazo und jetzt erneut. (Dzember 2024) Aktuell hat sich die Normal-Route leicht verändert. (Beschreibung unten) Die Zugänglichkeit ist nach wie vor gut und die Organisation recht einfach. Alles in allen, nach wie vor, ein lohnendes Bergziel.




Ausgangspunkt für eine Chimborazo-Besteigung sind normalerweise die Städte Riobamba oder Ambato. Von Quito erreicht man beide Städte sehr gut mit einem öffentlichen Bus, ab Terminal Terrestre Quitumbe, im Süden der Stadt. Die Fahrt kostet 5,60 USD (Stand: Dezember 2024) und dauert etwa 3,5 Stunden. Die Busse verkehren zu den Hauptzeiten mindestens stündlich. Diese Art der Reise ist meine Empfehlung. Die Busse sind modern und man kommt auf natürliche Weise mit den Einheimischen in Kontakt.

Für die Logistik am Chimborazo und für dessen Besteigung benötigt man die Unterstüzung lokaler Bergführer. Ich hatte dazu kurz vorher Kontakt zur Argentur ECUADOR ECO ADVENTURE aufgenommen und ein kleines 5-Tage-Paket mit allen Transporten, zwei Besteigungen (Carihuairazo und Chimborazo) drei Nächten in der Chimborazo Basecamp Lodge und Refugio am Chimborazo gebucht. Ein anderer Anbieter in Riobamba ist Julio Verne Travel

Refugio Carrel (4.800 Meter)

Es gibt zwei Hütten am Chimborazo: Refugio Carrel auf 4.800 Metern und Refugio Whymper, 200 Meter höher. Allerdings wird die Whymper Hütte zurzeit nicht betrieben. (Stand: Dezember 2024) Der Grund ist, dass die "alte" Normal-Route, oberhalb der Hütte sehr stark steinschlaggefährdet ist. Tatsächlich hat sich das Bild seit meinem letzten Besuch am Chimborazo stark verändert. Es gibt jetzt kein Schnee und Gletscher mehr unterhalb von 5.400 Metern. Ich glaube damals haben wir schon bei 5.100 Metern die Steigeisen angelegt.


Die Zeichnung zeigt den alten Zustieg (rote Linie) und den neuen Zustieg (grüne Linie). Etwa auf 5.500 Metern treffen beide Routen zusammen. Dort beginnt auch erst der Gletscher.

Auf 5.300 Metern befindet sich ein Highcamp, mit fest installierten Zelten. Ich hätte von dort einen kurzen Aufstieg machen können. Allerdings habe ich mich dagegen entschieden. Der Grund war, dass ich zuvor nur den Carihuairazo bestiegen hatte, der mit 5.000 Metern nicht besonders hoch ist. Wahrscheinlich hätte ich im Highcamp weder schlafen, noch regenerieren können.

Viel geschlafen habe ich aber auch im Refugio Carrel nicht, nur ungefähr 3 Stunden. Wegen des weiten Weges zum Gipfel, sind wir schon kurz nach 23 Uhr losgegangen.

Sonnenaufgang beim Abstieg

Der Weg bis zum Highcamp ist ein guter Pfad und nicht besonders steil. Ideal um in der Nacht seinen Rhythmus zu finden. Oberhalb des Camps geht es, wahlweise links oder rechts am El Castillo Felsen weiter. Wir haben irgendwo dort bereits die Steigeisen angezogen, da der Untergrund teilweise vereist war und erste Schneefelder auftauchten. Am Übergang zum Gletscher kamen kurzzeitig auch die Eispickel zum Einsatz. Die Kletterstücke waren aber immer nur wenige Meter lang. Anders als bei meinem ersten Besuch gab es diesmal auch eine sehr gute Spur im Gletscher. Der Gletscherbruch, etwa auf 5.800 Metern, kahm mir diesmal allerding etwas gewaltiger vor.
Oberhalb dessen war es dann wieder langweilig was den Berg betrifft, dafür begann ich die Höhe zu merken. Den Vorgipfel Veintemilla (6.228), erreichten wir trotzdem weit vor 5.00 Uhr und bei völliger Dunkelheit. Von dort ist es ein ca. 600 Meter Übergang zum höchsten Punkt, dem Whymper-Gipfel (6.263). Wir erreichten ihn im Zwielicht, um 5.15 Uhr. Die Sonne war noch nicht aufgegangen. Ich konnte aber schon erste Fotos machen...


Chimborazo kurz vor Sonnenaufgang

An unserem Gipfeltag waren wir allein auf dem Berg. Die Tage vorher war wohl auch jeweils immer eine Seilschaft unterwegs. Für einen Klassiker sieht der Chimborazo also noch relativ wenige Besteigungen. Im Vergleich zu 2010 scheint der Tourismus aber deutlich zugenommen zu haben. Dafür spricht auch die Tatsache, dass es diesmal eine durchgehende Spur im Gletscher gab.

Es ist unbedingt wichtig, dass man den Gipfel sehr zeitig am Morgen erreicht. Danach wird der Schnee weich und der Abstieg mühselig und es in der Spaltenzone gefährlich. Ab dem späten Vormittag kann man davon ausgehen, dass der Berg sich in Wolken hüllt und die Orientierung kann schwierig werden. 


Spur von Veintemilla zum Whymper Gipfel


  • Gipfeltag: 02.12.2024
  • Distanz: 12 km / 9 Std. in Auf- und Abstieg
  • 1.500 Höhenmeter

  • Besteigungszeit: ganzjährig möglich
    (beste Monate: Dezember - Januar und Mai - Juli)
  • Ausrüstung: Hochgebirgsausrüstung, Pickel, Seil, Steigeisen, Helm, warme Bekleidung, Stirnlampe
  • GPS Track

 

 

2022/09/11

Pucarà Salitre - ein versteckter Platz im Cotopaxi Nationalpark

Als wir vor 3 Jahren vom Vulkan Sincholahua abstiegen, machte uns Juan, auf die im Tal des Rio Pità liegende, Inka-Festung Pucarà Salitre aufmerksam. Wir konnten zwar nichts ganau erkennen, aber das Tal sah aus der Ferne interessant aus.


Festungshügel aus Süden / Hintergrund Vulkan Pasachoa

Die Reste dieser Inka-Festung ist einer der verborgenen Schätze im Cotopaxi-Nationalpark. Es wundert nicht, denn nur eine holprige Piste führt dorthin und wir haben nur an einem einzigen Stein einen Richtungshinweis gesehen. 

Von Tambopaxi ist es eine flache Wanderung von etwa 5 Kilometern (einfacher Weg), immer auf eine Höhe von 3.700 Metern. Wir begegeneten wilden Pferden und Vikunjas, aber keinen anderen Menschen. Die Landschaft wurde von früheren Lavaströmen des Cotopaxi geprägt, Bachläufe schneiden in den Boden und zum Schluss haben wir über eine sumpfige Wiese abgekürzt. 


Blick von Pucarà Salitre in Richtung El Mantial

Die Ruinen befinden sich, strategisch gut angelegt, hoch oben auf einem Hügel. Von dort mussten die Inkas einen guten Überblick ins Land gehabt haben. Es war wohl so, dass sie sich während ihrer nur kurzen Herrschaft, häufiger Angriffe der einheimischen, indigenen Bevölkerung erwehren mussten. 

Die Anlage wurde am Ende des 15. Jahrhundert errichtet. Seit dem verfällt sie und es wurde nicht viel gemacht, wohl auch kaum gegraben. Die Mauern schauen heute gerade noch aus dem hohen Gras heraus. Immerhin gibt es eine Hinweistafel auf der Nordseite des Hügels. Mehr nicht.



Es ist nicht ganz unumstritten, ob die Ruinen überhaupt von den Inkas stammen. Die Art der Festungsanlage deutet darauf hin. Es gibt aber auch Stimmen, die darauf verweisen, dass bereits vorinkaische Gemeinschaften in der Lage waren, Steinbauten zu errichten. Möglicherweise wurde das getan, um vor Einfällen der Inkas zu schützen. Die archäologische Studienlage ist voller Annahmen. In jedem Fall hat der Ort eine eigene Magie und man kann einen Hauch der Vergangenheit fühlen.


In der Ferne: Vulkan Ruminahui

Die Ruinen befinden sich östlich von Tambopaxi, zwischen den Vulkanen Cotopaxi und Sincholagua gelegen. Es gibt mit dem Rio Pìto einen kleinen Flus und mehrere Bäche in der Nähe. Einige tiefe Lavagräben durchziehen die Landschaft. Ein unbefestigter Fahrweg führt östlich am Hügel vorbei. 



Von Pucarà Salitre sind wir noch weiter nach Osten, zu einem Ort Namens El Manantial, gegangen. Dort gibt es einen kleinen See, bzw. Sumpf, zwischen den Hügeln. Ein weiterer versteckter Schatz des Nationalparkes, mit einer großen floristischen Vielfalt. 

Unser Weg zurück verlief entlang eines künstlichen Kanals, aus jüngerer Zeit. Es ist nicht ganz klar, was damit bewässert werden sollte. Eigentlich ist das ganze Gebiet, aufgrund des umfangreichen Niederschlages sehr feucht. Mehrfach mussten wir Bäche übersteigen und Sumpfgebiete queren.



Mit der kleinen Zusatzschleife war die Wanderung Tambopaxi - Pucarà Salitre - El Mantanial - Tambopaxi insgesamt 15 Kilometer lang. Im Nachhinein zählt sie für mich, zu den lohnendsten Ausflügen, die ich in Ecuador gemacht habe.


2022/08/28

Ruminahui Central - alternative Route

Der Ruminahui Central im Cotopaxi Nationalpark (Ecuador) wird über seine kurze Normal-Route häufig bestiegen. Diese wird normalerweise als Eingehtour, für anspruchsvollere Bergziele, begangen, Im Juli diesen Jahres habe ich eine längere Alternative, mit mehr Einsamkeit, erkundet. 

Praktischerweise kann man direkt an der Hosteria Tambopaxi, in der Nähe des Nord-Einganges des Nationalparks, starten. Folgt man von dort dem Fahrweg in Richtung Laguna de Limpiopungo, wird man nach 500 Metern einen Abzweig in Richtung eines Reiterhofes bemerken. Kurz vor Erreichen des Hofes, hält man sich links und folgt dem einzigen Weg für etwa 600 Meter, bis man rechterhand eine breite Fahrspur den Hügel hinauf führen sieht. Das ist der einfachste und klarste Weg in Richtung Ruminahui. Über einen breiten Kamm scheint er direkt zum Nordgipfel (Ruminahui Maxima) zu führen.
Auf dem nachfolgenden Bild kann man im Vordergrund die Fahrspur erkennen. Den ungefähren Routenverlauf am Berg habe ich eingezeichnet.


grün: Abstieg Normalroute / orange: Aufstieg Alternative

Die Wanderung über den Kamm ging zügig und wäre es nicht ein trüber, regnerischer Tag gewesen, hätte ich beste Sicht auf Cotopaxi und Sinchulagua gehabt. 
Auf etwa 4.000 Metern erreicht man eine Baumgruppe und der Weg ist ab dort schwächer ausgeprägt. Man muss aber noch ein gutes Stück gehen, ehe man zunächst in eine kleine Senke absteigt und sich dort, rechts haltend, dem ersten Steilstück nähert. Ich musste mich etwas konzentrieren, um den Pfad nicht zu verlieren.
Oben angekommen geht es kurz etwas links und danach weiterhin auf den Nordgipfel zu. Im tiefen Gras hatte ich nun Mühe den Weg zu sehen. Auf der Karte kann man erkennen, dass ich ihn kurz verloren hatte. Die Route ist aber logisch und führt auf einen, dem Berg vorgelagerten, Grat hinauf.




Das ist der schönste Teil der Route, mit einer noch üppigen Bergvegetation, mittlerweile auf einer Höhe von 4.200 Metern. Linkerhand blickt man in einen malerischen Talkessel. Immer wenn die Wolken aufrissen, habe ich Fotos gemacht.
Der Weg auf dem Grat ist nicht zu verfehlen, sehr logisch und führt weiterhin in Richtung Nordgipfel. Durch den Dauerregen war es aber schlammig und ich musste vorsichtig sein.


Blick zum Grat

In dem Bereich, wo der Grat-Weg in eine Querung der Ruminahui-Ostflanke übergeht, wurde die Wegfindung wieder schwierig. Das Gras ist hoch und man verliert nun den Nordgipfel als Orientierung.
Eine Besteigung des nun rechterhand liegenden Nordgipels, ist ab dieser Stelle nicht möglich. Dessen Route verläuft oberhalb und setzt am Normalweg des Zentral-Gipfels an. 
Der verbleibende Weg bis zu dieser Stelle war eine mühevolle Rutschparty, nun in stärkerem Regen.


Blick in den Talkessel hinab

Ab dem Erreichen des Normalweges habe ich für die Besteigung des Gipfels nur noch 20 Minuten gebraucht. Ich war auch nicht lange oben, denn ich musste mich beeilen. Für 13.30 Uhr hatte ich eine Verabredung an der Laguna Limpiopungo. Den Abstieg bin ich teilweise gejoggt und erreichte den Treffpunkt pünktlich um 13.28 Uhr. Ich hatte die Route einigermaßen richtig eingeschätzt. Einen größeren Verlaufer hätte ich mir allerdings nicht leisten können.

Am Ende, bis Tambopaxi zurück, waren es 20,5 Kilometer und ich war 5:15 Stunden unterwegs. 
Eine Beschreibung mit Fotos zum Normalweg, inkl. Gipfel-Fotos gibt es hier.

2022/07/21

Cotopaxi Routen

Wir waren Ende Juni / Anfang Juli in Ecuador. Im Nachhinein kein guter Zeitpunkt. Aber wer kann das vorher schon wissen? Genau während dieser Tage befand sich das Land im Ausnahmezustand. Die Hauptstadt Quito und eigentlich das ganze Land waren über 15 Tage vollständig blockiert. Vorwiegend die indigene Bevölkerung, aber auch Studenten und Arbeiter wehrten sich, gegen gestiegene Lebenshaltungskosten, infolge von Covid Pandemie und Ukraine-Kriese...
Im Grunde genommen konnte man sich als Tourist nicht mehr im Land bewegen. Wir schafften es trotzdem zum Cotopaxi-Nationalpark. Obwohl nicht geplant, bin ich darum zum dritten Mal auf den zweithöchsten Berg des Landes gestiegen.




Positiver Nebeneffekt ist, dass ich nun für beide Normal-Routen den Routenverlauf getrackt habe und veröffentlichen kann. Grob betrachtet unterscheiden sie sich nicht wesentlich. Auch kann man sich nicht wirklich aussuchen, welchen Weg man auf den Gipfel geht. Je nach Saison legen die Bergführer die Spur, der dann alle Seilschaften folgen.
Nach Schneefall und im starken Wind, gab es diesmal keine Spur. Nicht einmal im Abstieg, da der Sturm (in Böen bis 100km/k) alles verwehte. Mein Guìa und ich bewegten uns aber ziemlich genau auf der etwas östlicheren Linie. Einzig im oberen Bereich vermieden wir es im Wind zu gehen und gingen neben dem Grat.




Bei dieser Route steigt man den Berg zunächst ziemlich direkt hoch und wendet sich erst auf 5.600 Metern nach Westen, um zum finalen Gipfel-Zugang zu gelangen. (Karte oben) Im ersten Teil des Gletschers müssen einige Spalten überwunden werden. In Zeiten mit zu großen Spalten, wird die Spur so gelegt, dass sie bereits ab 5.400 Metern nach Westen biegt. (Karte unten)

Diese Route ist etwas länger, umgeht aber den wildesten Gletscherbruch. Im letzten Stück sind beide Routen wieder identisch. Es kommt also immer darauf an, wie der Zustand im unteren Gletscher ist. Es könnte sein, dass im Juni / Juli meist die kürzere Route gegangen wird. Es war im November, dass ich auf der anderen unterwegs war. Wegen des unbeständigen Wetters in Ecuador würde ich aber keine Allgemeingültigkeit daraus ableiten... 




Es scheint so, dass das Wetter im Zeitraum November / Dezember besser ist. Im Juni war ich zweimal (2010 und 2022) im Sturm unterwegs. Diesmal waren insgesamt nur 4 Seilschaften am Berg, von denen einzig wir den Gipfel erreichten. Es war ein besonders schlechter Tag. Auf dem Gipfel brauste wirklich ein sehr starker Wind und es war schwierig auf den Beinen zu bleiben.
Die Gipfelquote ist sonst am Cotopaxi hoch. Gut akklimatisierte Bergsteiger können hier mit großer Wahrscheinlichkeit einen fast 6.000er besteigen.


Krater vom Gipfel


siehe auch: Cotopaxi 2019


2019/12/29

Cotopaxi (5.897)

Hier nur ein paar Fotos unserer diesjährigen Besteigung des Cotopaxi. Er ist wahrscheinlich der meist bestiegene Berg Ecuadors. Aufgrund seiner Höhe und starken Vergletscherung ist der Aufstieg trotzdem nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Der Zugang wurde in den letzten Jahren entsprechend wieder stärker reguliert. So ist der Aufstieg nur noch über das Refugio José Ribas (Nord-Route) und in Begleitung eines lizenzierten Mountain-Guides erlaubt.
Das Refugio (4.800 Meter) wurde seit meinen letzten Besuch (2010) erneuert und bietet jetzt ausreichend Platz für den Ansturm, auch an den Wochenenden. Es wird mittlerweile ein gutes Abendbrot, ein leichtes Frühstück in der Nacht und ein ausreichendes Frühstück nach Rückkehr angeboten. (Übernachtung + Mahlzeiten: 30$ p.P. / Stand: Dezember 2019)


Cotopaxi - Krater beim Sonnenaufgang

Kurz bevor wir zum Cotopaxi kamen, hatten die Guias gerade eine neue Spur zum Gipfel gelegt. Sie verlief diesmal etwas weiter rechts, als beim letzten Mal. Dadurch war der Anstieg etwas länger, führte aber über weniger Spalten. Die Route am Cotopaxi variiert von Jahr zu Jahr etwas, je nach Schnee-Bedingungen und Jahreszeit. Mittlerweile betritt man den Gletscher erst oberhalb von 5.100 Metern. Je nach Variante führt sie dann zunächst mehr oder wenig geschwungen in Richtung der Yanasacha Felswand und quert unterhalb dieser nach rechts.





Auf etwa 5.600 Metern wird der Schlusshang erreicht. Kurze Anstiege steilen bis zu 45° auf, halten jetzt aber niemanden mehr davon ab, auf den Gipfel zu gehen. Wenn man zwischen Mitternacht und 1.00 Uhr aufgebrochen ist, wird man gegen 6.00 Uhr den höchsten Punkt erreichen und kann die Sonne aufgehen sehen. Normalerweise steht man am Morgen über den Wolken und kann alles anderen hohen Berge Ecuadors aus diesen herausschauen sehen.





Wir genossen die ersten Sonnenstrahlen des Tages für eine halbe Stunde auf dem Gipfel. Der Vulkan war diesmal sehr aktiv. Aus dem Krater stiegen starke Fumarolen auf. In der Luft lag ein unangenehmer Schwefel-Geruch. Im Jahr 2015 war der Cotopaxi eine zeit-lang gesperrt, nachdem eine mehrere Kilometer hohe Rauchwolke aufgestiegen war. Prinzipiell ist der Cotopaxi einer der am Besten überwachten Vulkane weltweit.



aufsteigende Seilschaft, Sincholagua im Hintergrund


Man tut gut, den Abstieg nicht allzu lange Zeit hinaus zu schieben. Mit zunehmender Sonneneinstrahlung wird der Schnee schnell weicher und tiefer, Schneebrücken über den Spalten verlieren an Festigkeit. Gegen Mittag ist mit Gewitter zu rechnen.
Wir hatten trotzdem noch etwas Zeit für Umwege im Abstieg.


Abstieg, Ruminahui voraus

Als beste Monate für die Cotopaxi-Besteigung, gelten bei den Einheimischen Bergsteigern Dezember bis Januar. Europäische Besucher bevorzugen die Monate Juni bis August, wohl auch wegen der heimischen Sommerferien. Tatsächlich sind Juni, Juli die Monate mit dem geringsten Niederschlag in Ecuador, häufig aber mit starken Winden. Generell kann der Cotopaxi ganzjährig bestiegen werden.









2019/12/22

Sincholagua, 4.873 (Ecuador)

Steht man auf dem Cotopaxi in Ecuador und hat eine gute Sicht, wird man einen Kranz erloschener Vulkane bemerken, die den Cotopaxi umgeben. (Morurcu, Ruminahui, Quilindania, Sinchulagua) Mit Ausnahme des Ruminahui werden diese Berge kaum bestiegen. Wir haben uns diesmal, neben dem Morurcu auch an der Sinchulagua versucht.

Da der Berg etwas abseits (nördlich des Cotopaxi) liegt, reisten wir zunächst zur, in der Nähe liegenden, Chilcabamba Lodge. Von dort benötigt man 2 Tage Trekking oder 1 Tag, wenn man das erste Stück mit einem Allrad-Fahrzeug überbrückt. Bei der 2-Tage-Variante findet man oberhalb 4.150 Meter flache Plätze zum Zelten. (siehe Karte unten) Wir sind mit Juan, einen befreundeten Guia, in dessen Camioneta fast genau so hoch, wenn zuweilen auch etwas waghalsig, gefahren. Für diese Annäherung muss man sich die Schlüssel für 2 Tore, des privaten Landes am Bergfuß, von dessen Inhaber, besorgen. Die Guias und auch die Leute von der Chilcabamba Lodge, wissen Bescheid. 


Sincholagua in den Wolken

An unserem Aufstiegstag hatten wir sehr starken Wind auszuhalten. Das erste Wegstück führt ziemlich frei durch hohes Gras zur Hauptrippe der Sincholagua zu und geht allmählich in steiniges Gelände über. An den ersten Felsen kann man oft beidseitig des Kamms gehen und wir wählten die Route so, dass wir den wenigsten Wind hatten. Je höher wir kamen, um so mehr Schutz gaben die Felsen her.


Aufstieg, etwa 5.250

Die Route war anfangs leichtes Trekking, wenn auch im oberen Bereich teilweise weglos oder schwierig zu finden. Markierung gab es nur manchmal mit Steinmännchen. Auf 4.550 Metern wählten wir eine Variante, welche nicht die Normalroute ist und immer wieder leichte Kletterei erforderte. Etwa in der Schwierigkeit, bei der man die Trekking-Stöcke in den Rucksack packt, um die Hände frei zu haben. (UIAA II) Die Normal-Route soll aber weitestgehend Trekking sein. Unsere Variante bot besseren Wind-Schutz.





Am Ende, auf 4.760, schon fast unter dem Gipfelkopf, kommen beide Routen wieder zusammen. Der Weg geht in eine Traverse über, welche zu einem brüchigen Kamin führt. Dieser Kamin ist der Zugang zum Gipfel.
Die ersten Metern laden gerade zu zum Klettern ein. Windgeschützt und es lassen sich gute Tritte und Griffe finden. Nach etwa 7 Metern sollte man sich eigentlich etwas links halten und über den leicht ausgeprägten Grat zum Gipfel weiter steigen. Juan entschied sich aber auf der rechten Seite, eine flache, senkrechte Platte zu nehmen. Da er den Vorstieg hatte, gab es dagegen nichts einzuwenden. Wir verwendeten 2 Zwischensicherungen (Friends) und eine Bandschlinge im Gipfelbereich. Unsere Variante überstieg den angegebenen dritten Schwierigkeits-Grad sehr wahrscheinlich. Allerdings macht die Kletterei zum Gipfel lediglich 25 Meter aus.


Sincholagua Gipfel (4.873 Meter)

Leider hatten wir keine Sicht am höchsten Punkt. Immerhin sind wir trocken wieder runter gekommen. Bei Nässe und Vereisung sollte man sich mit dem Erreichen des Einstieg-Kamins zufrieden geben. Pünktlich nachdem wir uns dorthin abgeseilt hatten, begann auch für uns ein großer Regen. Nicht ungewöhnlich zur Mittagszeit in Ecuador.


Routen-Verlauf


Gipfeltag: 27.11.2019

Karte: https://de.mapy.cz/s/demajudaze



2019/12/15

Morurcu (4.881) Ecuador

Denkt man an Bergsteigen in Ecuador fallen ein normalerweise der formschöne Cotopaxi und der einzige 6.000er des Landes, der Chimborazo ein. Die meisten Expeditionen in Ecuador führen zu deren Gipfeln. Wenn man diese hat, sollte man weitermachen. Mit dem selten bestiegenen Morurcu zum Beispiel.

Dieser Vulkan liegt südlich des Cotopaxi und wurde zum ersten Mal 1972 bestiegen. Im Gegensatz zu seinem höheren Nachbarn ist der Morurcu nicht vergletschert. Er besitzt mehrere spitze Gipfel, die Reste der ehemaligen Caldera sind. Man erreicht sie in einer langen Wanderung vom Refugio "Cabaas Cara Sur" aus, zum Schluss mit kurzer aber steiler Felskletterei.




Der Stützpunkt "Cabanas Cara Sur" wurde eigentlich geschaffen, um auf der Südseite des Cotopaxi (verbunden mit einem Highcamp) eine neue Route zu eröffnen. Aktuell (Stand Dezember 2019) ist es allerdings nicht mehr erlaubt, den Cotopaxi von dieser Seite zu besteigen. Ein Verbot, welches freilich schwierig zu kontrollieren ist...
Das Refugio verzeichnet seit dem Verbot kaum noch Besucher. Eduardo, der Inhaber, hält es dennoch im ausgezeichneten Zustand. Von außen sieht es etwas verfallen aus. Innen ist es sehr sauber und geräumig. Die Toiletten sind besser als am Refugio Josè Ribas (Cotopaxi Normal-Route) Es gibt mehrere Schlafräume, eine Küche und einen großen, hellen Aufenthaltsraum. Eduardo berechnet nur 30$ p.P. / Nacht. Abendbrot und Frühstück sind inklusive.


Cabanas Cara Sur

Wir sind den Morurcu in einer großen Schleife umrundet, mit einem Abstecher zum Hauptgipfel. Das waren insgesamt 14 Kilometer. Wir haben 7,5 Stunden gebraucht. Start 6.00 Uhr, um den unausweichlichen Regen am frühen Nachmittag zu meiden.
Oberhalb der Hütte führen Spuren zunächst auf den Berg zu, die sich dann nach links oder rechts teilten. Wir folgten der linken Spur. Als Orientierung gibt es einen großen Felsbrocken auf einem Sandhügel. Hinter diesem Hügel geht man dann nach rechts auf den Mururcu zu, bzw. an diesem vorbei: linkerhand Cotopaxi, rechts Morurcu. Es geht dort in Vulkansand und Geröll mal auf, mal ab.





Wenn man die Ost-Seite des Morurcu erreicht hat, findet man sich in einer riesigen Flanke wieder. Diese quert man, zunächst mild ansteigend, immer aufwärts auf die Felsköpfe des Gipfel-Aufbaus zu. Im oberen Bereich wird die Flanke recht steil und man muss gelegentlich die Hände zur Hilfe nehmen. Die aufgesetzten Felsen sind nahezu senkrecht. Wichtig ist es zu wissen, dass der Haupt-Gipfel der südlichste, der 5 Gipfel ist. Um den Zugang zu finden, sind wir in der Flanke, teilweise leicht absteigend, nochmals nach Süden gequert. Die ursprüngliche Spur führte wohl zu einem, der leichteren Neben-Gipfel, die häufiger bestiegen werden. Theoretisch kann man auch von dort über den Grat zum höchsten Punkt gelangen. Aufgrund der extrem schlechten Fels-Qualität ist dieser Weg aber nicht empfehlenswert.


Querung zum Gipfel

Unser Zugang war eine senkrechte Rinne, ungefähr 25 Meter lang. Man erreicht dort einen guten Standplatz, bevor es auf der anderen Seite des Grates nochmal ein paar Meter aufwärts geht. Alle Passagen müssen einzeln geklettert werden (hohe Steinschlag-Gefahr), natürlich mit Helm, und immer alle Griffe und Tritte prüfend. Im Abstieg abseilend.
Am Standplatz gibt es einen großen Stein, über den man über eine Bandschlinge die Seil-Sicherung befestigen kann. In der Rinne lassen sich für den Vorstieg gelegentlich Klemmkeile einsetzen. Auch der weitere Aufstieg, auf der anderen Grat-Seite sollte gesichert werden.


Morurcu Gipfel-Aufbau

Gutes Wetter vorausgesetzt, ist der Gipfel-Blick genial. Über die anderen Morurcu-Gipfel sieht man, dem sehr nahen Cotopaxi ins Gesicht. Gutes Wetter ist bei einer Morurcu-Besteigung allerdings Voraussetzung. Bei Schnee, Regen oder Eis ist der Aufstieg, im ohnehin schlechten Fels, nicht empfehlenswert.

Auch der Rest unserer großen Runde um den Morurcu hat uns sehr gut gefallen. Insgesamt ein wirklich empfehlenswerter Berg in Ecuador, abseits der ausgetretenen Pfade. Die Schwierigkeiten begrenzen sich auf den Gipfel, insgesamt ca. 35 Meter (UIAA III bis IV).  Das Trekking um den Berg ist nicht schwierig, teilweise aber weglos.


Cotopaxi vom Morurcu-Gipfel aus


Karte: https://de.mapy.cz/s/depadudeva

Gipfeltag: 25.11.2019